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IV. Die Befreiungskriege
3000 Meter; die Truppen standen dicht gedrängt, starke Reserven,zumal an Kavallerie, nahe hinter der Mitte, durch die vorliegendeBodenwelle verdeckt, mit voller Bewegungsfreiheit nach rechts undlinks. Westlich um 1500 Meter über den rechten Flügel hinaus-geschoben, hielten 12 niederländische Bataillone bei Braine-l'Alleud.Zur Linken wurde Blüchers Eingreifen erwartet. So schienenbeide Flügel gegen Umfassung geschützt; die Front aber war vonungewöhnlicher Stärke.
Den Vormittag des 18. Juni ließ der Kaiser abermals ver-streichen, um den von den Regengüssen der beiden letzten Tagedurchweichten Boden etwas abtrocknen zu lassen und zugleich ineiner Heerschau durch seine Persönlichkeit, die noch immer ihregroße Gewalt geübt hatte, auf die Haltung seiner Truppen zuwirken. Dann erst entwickelte er die Armee zum Angriff. Die4 Divisionen des Korps Erlon stellten sich rechts, die 3 des KorpsReille links der Chaussee nach Brüssel auf, die Kavallerie vonbeiden auf dem äußeren Flügel. Hinter Erlon stand außerdemdas Kavalleriekorps Milhaud, hinter Reille das von Kellermann.An der Chaussee, nahe hinter der Mitte, bei La Belle-Alliance ,hielt sich das Korps Lobau und das Kavalleriekorps Pajol alsReserve bereit, weiter rückwärts bei Rossomme die Garde. DemGrundgedanken des ganzen Feldzuges entsprechend, sollte der ent-scheidende Augriff Wellingtons linkem Flügel gelten, nm ihn nachNordwesten zurückzuwerfen und ihm die spätere Vereinigung mitden Preußen unmöglich zu machen. Doch eröffnete der Kaiser dieSchlacht zunächst durch einen Angriff auf Hougomont, um denHerzog zu täuschen. —
Wir kehren nun ins Blüchersche Hauptquartier nach Wavre zurück. Bald nachdem der Alte sein Versprechen an Wellingtongegeben, waren im Laufe des 17. Juni nachmittags die Munitions-kolonnen der preußischen Armee eingetroffen. Sie hatten denfast völlig verbrauchten Schießbedarf wieder ergänzt und damitdas Heer von neuem kampfbereit gemacht. In einem Armee-befehl spendete Blücher den Seinen für die Schlacht von Ligny,je nach Verdienst, Lob und Tadel. Dann schloß er: „Ich werdeEuch wieder vorwärts gegen den Feind führen; wir werden ihnschlagen, denn wir müssen!" Erst spät am Tage traf die Nach-richt ein, daß ein Teil des Feindes dem General Thielmann aufGembloux gefolgt wäre, und nachts ein Brief von Müffling aus