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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Wellingtons Entschluß zur Schlacht. Blüchers Versprechen 499

dem englischen Hauptquartier, daß des Herzogs Heer die Schlachtsüdlich von Waterloo annehmen werde. Gneisenau, der bei Blücherserstem rückhaltlosem Versprechen an Wellington nicht zugegen ge-wesen war, den aber des Herzogs Verhalten bei Quatre-Bras undsein Ausbleiben bei Ligny mit Mißtrauen erfüllt hatte, war nichtohne Bedenken. Er fürchtete eine Wiederholung der Vorgänge vom16. derart, daß, wenn die ganze preußische Armee gleichzeitig heran-rückte, Napoleon sich mit allen Kräften gegen diese wenden würde,Wellington sich aber bei Waterloo ebenso wie bei Quatre-Braswürde Hinhalten lassen. Dann konnte auf Ligny eine zweite Nieder-lage Blüchers folgen und der Feldzug damit verloren gehen. Erriet also zur Vorsicht, und es wurde beschlossen, am 18. Junizunächst nur ein Korps halbwegs Wavre und Belle-Alliance beiSt. Lambert bereitzustellen. Dieses sollte sich verdeckt halten, solange der Kampf noch nicht ernsthaft begonnen habe, aber lebhafteingreifen, wenn es geschehen sei.

Ein zweites Korps sollte folgen, die beiden anderen sich zumAbmarsch bereithalten. So behielt Blücher das Heer bis zumentscheidenden Augenblicke noch in der Hand. Falls Wellingtonauf Brüssel zurückging, stand den Preußen der Abmarsch nachLöwen offen. Um Mitternacht gingen die Befehle ab. Bülowsollte mit seinem frischen Korps die Spitze nehmen, Pirch sich ihmanschließen. Zieten und Thielmann wurden angewiesen, in derFrühe abkochen zu lassen, um zu folgen,wenn es nötig" wäre.Müffling mußte an den Herzog mitteilen, daß die erschöpftenTruppen nicht vor Tagesanbruch marschieren könnten. Blücherscheint dies zögernde Verfahren wenig sympathisch gewesen zu sein;in der Nacht soll es zwischen ihm, Gneisenau und Grolmann zulebhaften Erörterungen gekommen sein; aber Gneisenau setzte seinenWillen durch.

Am Morgen war kein Kanonendonner zu hören, den manerwartet hatte. Gneisenau blieb bei seinem Mißtrauen. Blücheraber trieb esmit dem Feingefühl des echten Feldherrn", demHerzog die Gewißheit zu geben, daß er ihn nicht im Stiche lassen werde;denn der Zweifel konnte zur Unentschlossenheit bei beiden Heerenführen. Um 91/2 Uhr früh ließ er den Herzog durch Müffling versichern, daß er kommen würde, so krank er auch sei. Sollteder 18. Juni aber ohne den feindlichen Angriff vergehen, so müsseam 19. die französische Armee mit den vereinten Kräften beider

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