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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

verbündeten Heere ihrerseits angegriffen werden. Dies ließ erWellingtonals Resultat seiner innigen Überzeugung" bezeichnen.

Die Truppen hatten eine fürchterliche Nacht in ihren Lagernverbracht. Nach der großen Hitze des 17. Juni war der Regenin förmlichen Wolkenbrüchen niedergegangen.Wer sich am Abendin eine Ackerfurche niedergelegt hatte, wachte am anderen Morgenin einem Wasserbache auf". Die durchnäßten Kleider bedecktensich ebenso wie die Waffen beim Abtrocknen mit einer dicken Lehm-kruste. Der fette Boden verwandelte sich in zähen Schlamm, deran Stiefeln und Pserdehufen haften blieb und mit Krautund Kornhalmen vermischt den Raum zwischen den Rad-speichen füllte. Geschütze und Kugelwagen schnitten tiefe Geleisein die Landwege. Alle Steigungen bereiteten die größten Schwierig-keiten, da die Zugtiere auf dem glitschigen Boden keinen Haltfanden. Fortdauernd mußten die Mannschaften zugreifen, um dieFahrzeuge vorwärts zu bringen, aber auch ihre Kraft erlahmteallmählich. Nur langsam und schwankend ging der Marsch vorwärts.

Um 11 Uhr stieg der Feldmarschall zu Pferde. Damit warenauch die heftigen Schmerzen vergesfen, die ihm der Sturz vom 16.verursacht hatte. Den noch immer strömenden Regen begrüßteBlücher als seinenAlliierten von der Katzbach". Wie das Un-wetter endlich aufhörte, vernahm man auch das Rollen gewaltigenKanonendonners, und alle Zweifel schwanden. Sogleich wurde derBefehl zum Antreten auch für das Korps Zieten gegeben; nurThielmann sollte sich noch marschfertig zurückhalten.

Mittags war Blücher östlich von St. Lambert bei Bülow,der dort seine beiden vorderen Brigaden, wie befohlen, verdecktaufstellte. Meldungen vom Schlachtfelde ließen klar werden, daßWellington standhielt und auf das Eingreifen der ganzen preußischenArmee rechnete. So wurde denn nun auch der Befehl an Thiel-mann zum Nachfolgen befördert. Aus weiteren Meldungen ginghervor, daß Napoleon sich gegen Wellingtons Front entwickelt habeund offenbar die Nähe der Preußen nicht ahne. Blücher befahldie Fortsetzung des Marsches über St. Lambert hinaus, obwohldie nachfolgenden Truppen noch weit zurück waren. Das Taldes Lasnebaches, das nun überschritten werden mußte, bereitetegroße Schwierigkeiten. Vor allem kostete es unglaubliche Mühe,die Artillerie aus der Tiefe den jenseitigen Hang hinaufzubringen.Aber die Notwendigkeit der Eile trieb die Leute zur äußersten An-