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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

gedrängte, von seinen Gegnern fast umringte letzte Heer Napoleons in sich zusammen und wälzte sich in wirrem Knäuel nach rückwärts.Der Tag endetemit einer Niederlage für die französische Armee,wie die Kriegsgeschichte sie bis dahin noch nicht zu verzeichnenhatte." Die große Armee war gewesen;ihre Taten in drei Welt-teilen gehörten der Geschichte an. Frankreichs Heldenzeit ging zuEnde.»

Jena war durch Blüchers Heer abermals, und diesmal end-gültig gerächt. Es hatte der Welt bewiesen, daß unerschrockeneFührer und tüchtige Truppen auch unmittelbar nach einer Nieder-lage von neuem zu kämpfen und zu siegen wissen. Blüchersgrößere Energie und Tätigkeit hatte den Kaiser überboten und dengewaltigen Erfolg errungen. Sie waren auch jetzt noch nicht er-schöpft, denn der Feldmarschall übernahm sogleich die Verfolgungdes geschlagenen Feindes, während Wellington mit Einbruch derDunkelheit seine Truppen bei La Belle-Alliance anhielt. Dortversammelte der greise Heerführer die erreichbaren höheren Offiziereund befahl ihnen, den letzten Hauch von Mann und Roß aufzu-bieten, um dem Gegner den Garaus zu machen. An Generalv. Pirch erging der Befehl, mit seinem Korps noch in der Nachtumzukehren, um Thielmann zu unterstützen, der während derSchlacht gemeldet hatte, daß er bei Wavre vom Feinde hart bedrängtwürde. Der General sollte diesem zugleich den Rückzug verlegen.

Die beiden siegreichen Feldherren begegneten einander amspäten Abend bei Belle-Alliance . Sie begrüßten und beglück-wünschten sich herzlich. Dann setzte sich Blücher , trotz seines leidendenZustandes, bis Genappe hin persönlich an die Spitze der Ver-folgung, die durch seinen Generalstabschef mit einigen Truppennoch bis Quatre-Bras fortgeführt wurde und die Trümmer desfeindlichen Heeres völlig auflöste. Gneisenau hat diese Nacht mitihren Erlebnissen für die herrlichste seines Lebens erklärt. HellerMondschein begünstigte die mitleidslose Jagd.Der ganze Marschwar ein stetes Aufstöbern des Feindes in den Dörfern und Ge-treidefeldern." Fast die gesamte französische Artillerie und zahl-reiche Gefangene fielen in die Hände der Verbündeten.

Freilich hatte der Sieg auch schwere Opfer gekostet. In demnur kurzen Kampfe erlitt die Preußische Armee einen Verlust von7000 Toten und Verwundeten. Tiefgerührt dankte Blücher seinenunüberwindlichen Soldaten" durch einen Armeebefehl.Ihr habt