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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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503
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Neys Angriffe auf die Höhen von Mont St. Jean S03

erschütterte Linie behauptete sich; ihr Widerstand war noch nichtgebrochen.

Hätte Napoleon nur diesen einen Gegner vor sich gehabtund wäre er frei gewesen, alle seine Reserven folgen zu lassen,so würde der Sieg ihm wohl geblieben sein. Inzwischen aber hattesich Bülows Angriff bereits fühlbar gemacht. Schloß Frichemontwar bald von ihm genommen worden, und er schritt zur Weg-nahme von Plancenoit. Dort stieß er auf heftigen Widerstand.Das Korps Lobau und die ihm zugeteilte Kavallerie hatten nord-östlich des Dorfes auf flachen Höhen eine gute Stellung genommen.Nur langsam konnten sie auf Plancenoit zurückgedrängt werden,das sie dann hartnäckig verteidigten. Napoleon sandte noch achtBataillone der jungen Garde dorthin. Erst als Bülows Korpsvollständig eingetroffen war, gelang es um 6^ Uhr, Plancenoitzu stürmen. Das Dorf ging indes für die Preußen wieder ver-loren, als drei Bataillone der alten Garde von rückwärts her indas Kampfgewühl eingriffen. Es schien um 7 Uhr abends vor-übergehend, als solle Bülows Flankenangriff erlahmen.

Das war der Augenblick für den Kaiser, um einen letzten ver-zweifelten Versuch zum Durchbruch der englischen Linie bei MontSt. Jean zu machen. 10 Bataillone der alten Garde und einigereitende Batterien, die noch bereit standen, setzten sich dazu in Be-wegung. Sie rissen die Trümmer der anderen Korps mit sich fort.Der Bestand des Kaisertums ruhte jetzt auf der Bajonette Spitzen.Nochmals winkte für Augenblicke der Erfolg; die Franzosen drangenin die englische Stellung ein. Aber die Kraft der Stürmendenwar schon nicht mehr nachhaltig genug, den Keil bis zum Endesiegreich durch die feindlichen Linien hindurchzutreiben. Auch dies-mal scheiterte am Ende der Sturm. Zietens Erscheinen von Ohainher gab dabei den Ausschlag. Gerade während der Krisis drangsein Korps über Smohain und La Haye gegen die rechte französischeFlanke vor. Von La Haye aus feuerten seine Batterien in denStrom der angreifenden dicht gedrängten Infanterie hinein. Etwazu derselben Zeit gelang es auch Bülow, unterstützt von den vor-dersten Abteilungen des Korps Pirch , Plancenoit von neuem zuerobern. Lobaus Widerstand war dort überwunden. Als nun zuletztauch die ganze englisch -niederländische Linie sich unter dem Klängeder Schlachtmusik nach vorwärts in Bewegung setzte, um dem ab-gewiesenen Angriff den Gegenstoß folgen zu lassen, brach das eng