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IV. Die Befreiungskriege
hinreichend hatte wirken können, den Befehl, die 4 DivisionenErlons zum Angriff vorzuführen. Sie hatten, wie es scheint, in-folge eines Mißverständnisses unbehilfliche Kolonnen gebildet, beidenen die Bataillone in Linien von je drei Gliedern einander mit5 Schritt Abstand folgten. Diese eng gedrängten Massen boten demfeindlichen Geschütz Ziele, die nicht zu fehlen waren, und das Feuerder englischen Infanterie gegen die vordersten anrückenden Staffelnrief durch seine Wirkung bald verderbliche Stockungen hervor, diegeschickt zu Vorstößen gegen die Flanken der unbehilflichen Viereckeausgenützt wurden. Endlich gab die angreifende Kavallerie derVerteidiger den Ausschlag, und das Korps Erlon glitt nach einemVerlust von 5000 Mann wieder in die Bodenfalte am Fuße derenglischen Stellung zurück. Zeitweise ging der Kampf in stehendesFeuergefecht der Artillerie und der vorgezogenen Schützen über.Auf der Westseite der Chaussee erschöpfte sich Reille weiter innutzlosen Angriffen gegen Hougomont.
Trotz der blutigen Abweisung des ersten Angriffs schritt Neyauf des Kaisers Befehl um Uhr nachmittags zu einem zweiten— ein Beweis für seine Energie und die unerschütterliche Tapfer-keit seiner Truppen. Diesmal wurde der Vorstoß vom linkenFlügel des Erlonschen Korps auf und über La Haye Saintegeführt. Er schien Erfolg zu haben. Man sah die englischenTruppen in der Mitte der Stellung Boden verlieren. Das wardas Signal für die nun folgenden großen französischen Neiter-angriffe, die durch Milhauds Kürassiere eingeleitet und von dergesamten in der Nähe befindlichen französischen Kavallerie mit-gemacht wurden. Sie wiederholten sich mehrfach. Am Ende umS Uhr nachmittags hatte Ney an 10000 Reiter vereinigt, die ergeschlossen vorführte. Es gelang, einige Bataillone der Verbündetenzu überreiten und in Wellingtons Stellung einzudringen. La HayeSainte wurde von der nachdrängenden französischen Infanteriegenommen.
Mit der äußersten Ruhe und Besonnenheit hatte Wellingtonwährend dieser heftigen Kämpfe verfügbare Truppen von denFlügeln nach der Mitte geführt und sie dort eingesetzt. Die eng-lischen Reiterbrigaden, die hinter der Mitte gehalten, warfen sichden feindlichen Geschwadern entgegen. Auch die Niederländer vonBraine l'Alleud wurden näher herangezogen. So hatte der Herzogimmer noch einige frische Kräfte in der Hand und seine stark