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IV. Die Befreiungskriege
Frimont griff nicht in der Front an, sondern ließ Muratdnrch eine Seitenkolonne unter Bianchi über Arezzo umgehen, unddie Neapolitaner traten nunmehr den weiteren Rückzug über Rimini auf Macerata an, wo der König sein Heer versammelte und auch dieGarden an sich zog. Bianchi ging aber wiederum in seine linkeFlanke nach Tolentino im Chientetal vor. Dort wurde er von Muratmit doppelter Überlegenheit am 2. und 3. Mai heftig angegriffen,behauptete sich indessen und brachte den Neapolitanern eine schwereNiederlage bei, bei der sie 1700 Tote und Verwundete, sowie2250 Gefangene verloren, während die Österreicher in gut geleiteterVerteidigung nur 700 Mann einbüßten. Am 4. Mai sah sichMurat bei Macerata , wohin er nach dem verunglückten Angriffzurückgewichen war, durch die beiden österreichischen Kolonnen inder Front und in seiner linken Flanke angegriffen. Sein Heersetzte daher den Rückzug in Auflösung weiter nach Süden fort.Am Volturno gedachte der unglückliche Feldherr erneuten Wider-stand zu leisten; abermalige ungünstige Nachhutgefechte aber sprengtendie Mehrzahl seiner Truppen auseinander, und nur 10000 Mannsammelten sich am 17. Mai bei Capua, so daß ein weiterer Kampfgegen die österreichische Übermacht aussichtslos wurde. Am 18.übergab Murat das Kommando an den neapolitanischen GeneralCarascosa, ging nach Neapel und verließ das Land, um sich nachFrankreich zum Kaiser zu begeben, der ihn jedoch, seines Abfallsvon 1814 eingedenk, zurückwies. Inzwischen war am 20. Mai inder Konvention von Casalanza das Königreich Neapel durch dieÖsterreicher wieder für Ferdinand IV. von Bourbon in Besitz ge-nommen worden.
Die zweite Einnahme von Paris(S. Skizze 60)
In Paris hatte der Kriegsminister Davout den Befehl überdie von Grouchy herangeführten und die in der Hauptstadt vor-handenen Streitkräfte übernommen. Er verlangte die Einstellungder Feindseligkeiten, da Napoleon abgedankt habe und auch dieÖsterreicher, sowie Wrede bereits auf eine Waffenruhe eingegangenseien. Blücher lehnte diese Zumutung auf das entschiedensteab. Sein Sinn stand nach Paris und womöglich nach der Ge-fangennahme Napoleons, an dem er die Acht Europas zu vollziehen