Blüchers Erscheinen vor der Südseite der Hauptstadt
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gedachte. Die Verschanzungen auf der Nordseite der Hauptstadterwiesen sich bei näherer Untersuchung jedoch so stark, daß der An-griff keine sichere Aussicht auf Erfolg bot. Sogleich war Blücherentschlossen, diese Seite Wellington zu überlassen, selbst aber mitseinem Heere überraschend vor der schwächeren Südseite zu erscheinen.Seinem Schwager Colomb war es gelungen, sich durch raschesZugreifen mit seinen Reitern der Brücke von St. Germain zu be-mächtigen. Am 30. Juni begann der sehr geschickt angelegte, aberauch sehr anstrengende Marsch, der am 1. und 2. Juli sortgesetztwurde. Ein Unfall sollte ihn bedauerlicherweise einleiten. Dieverwegen vorgeschobene Husareubrigade des Oberstleutnants v. Sohrließ sich am 1. Juli bei Versailles von überlegenen französischenKräften überfallen. Gleichzeitig wurde ihr der Rückzug verlegt undsie völlig zersprengt. Blücher wurde davon persönlich um so härtergetroffen, als sich seine alten S. Husaren bei der Brigade befundenhatten. Im Ärger soll er den Offizier, der ihm die Unglücksnach-richt brachte, angefahren haben: „Herr, wenn das wahr ist, sowollte ich, daß auch Sie der Teufel geholt hätte!" Nunmehrdrangen die Unterführer, sogar der bei der Armee befindliche PrinzWilhelm in den Feldmarschall, nichts Weiteres mehr zu wagen.Auch Wellington warnte vor dem Angriff auf Paris , aber Blücherblieb unerbittlich. Am 2. Juli ließ er das Korps Zieten überMarly und Sevres , Thielmann über Plessis-Piquet und ClMillonvorgehen, Bülow schlug dahinter die Richtung auf Versailles ein.Vor ihnen auf den Höhen von Montrouge mit dem rechten Flügelbei Jssy an die Seine gelehnt, stand Vandamme mit 40 000 Mannwieder kampftüchtig gewordener Truppen zur Verteidigung bereit.Unter lebhaftem Gefecht öffnete sich Zieten die Enge von Sevres an der Seine, besetzte auch Meudon und warf die französischeVorhut auf Jssy zurück, wo alle Anstalten zu einer hartnäckigenVerteidigung getroffen waren. Ein Gegenstoß in der Richtung aufMeudon , mit dem die Franzosen unter Vandammes persönlicherFührung antworteten, wurde abgewiesen. Der Kampf dauerte abernoch bis gegen Mitternacht fort. Bei CtMllon hatte Thielmannangegriffen.
In Paris wurde über Verrat der Armee gemurrt.
Mit Tagesanbruch des 3. Juli brachen die Verteidiger daherauf Marschall Davouts Befehl über Vaugirard und Montrougenoch einmal zum Angriff gegen Jsfy vor, das schließlich während