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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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gelegenheiten zu behandeln. Aber ich will alles Persönlicheaus dem Spiel lassen und meinen Empfindungen Schweigengebieten. Wir haben so Wichtiges, so Umfangreiches zubehandeln, daß von dem Menschen nicht länger die Redesein kann. Auch die sachliche Aufgabe ist an sich so un-endlich schwierig, daß ich in jeder Weise Ihre Nachsicht,Ihre Milde, Ihre Laugmut iu Anspruch nehmen mnß. DieFragen, die wir heute zu erörteru haben, stehen auf einersolchen Höhe des allgemeinen Interesses, daß es beinahekein Gebiet des menschlichen Lebens, keine Frage der staat-lichen Ordnung und der allgemeinen gesellschaftlichen Exi-stenz giebt, die hier nicht hereinragte, nud die gewisser-maßen nicht verlangte, daß auch sie mit einem Worte be-rührt werde. Schließlich beherrscht mich die Bvrstelluug,daß uusere heutige Aufgabe uns wohl weit über die Be-deutung eines lokalen Interesses hinausführt.

Ich glaube nicht unrecht zu thuu, weuu ich behaupte,nicht blos unser Wahlkreis, nicht blos unsere Provinz, nichtblos unser kleiner Staat, svuderu ganz Deutschland seheans die Angelegenheit der Wahl unserer Stadt mit größterSpannung. Es ist schon gesagt worden bei früherer Ge-legenheit, daß nnscr Großherzogtum Hessen berufen sei,vielleicht eiuen sehr wichtigem Ausschlag zu geben in derFrage, die heute Deutschland zunächst zu lösen hat, weitdieser Kleinstaat auf jeuer künstlich gezogenen Linie selbststeht, die für eine Weile hoffentlich eine kurze Deutsch-land in zwei Gebiete scheidet. In diesem Lande Hessen aber, welches diese schwere, bedeutsame Rolle zu spieleu be-rufen ist, befindet sich wieder unsere Stadt, von der Grenzeselbst durchschnitten; denn die Bewohner von Castel, diewir immer als unsere Stadtgenvsfen angesehen haben, sinddurch die Demarkationslinie von uns getrennt worden; uudwie hier die Gegensätze nnd Scheidepunkte örtlich ein-