IV.
Geehrte Herren!
Es ist eine bekannte Sache, daß der Mensch sich er-staunlich schnell an neue Lebenslagen gewöhnt, nicht nuran gute, sondern auch an schlimme. Aber sich in das Ab-sonderliche und Ungereimte rasch hinein zu leben, das scheintmir ein Vorrecht der Deutschen zu sein. Es muß diesvon ihrer philosophischen Anlage, von dem stark ausgebildetenAbstraktionsvermögen unseres Volkes herrühren, d. h. vonder Fähigkeit, leicht mit den Gedanken über die Welt derThatsachen zu abgezogenen, blos bcgrisssförmigen Vor-stellungen hinaufzuschweifen. Wie geschwind haben wiruns nicht mit der wunderlichen Staatseinrichtung befreundet,welche man ein Zoll-Parlament nennt! Wir tragen sie schonso natürlich, als wären wir damit zur Welt gekommen.Und unserer Sprache, gleich biegsam wie unserer Sinnes-weise dienstwillig, ist das närrische Wort schon ganz mund-gerecht. Man muß ihm in einer Uebersetzung, z. B. alsk^rlsinöllt äong-nisr wiederbegegnen, um von neuem überdas sonderbare Geschöpf stutzig zn werden, welches mit demkolossalen Leib und dem winzigen Kopf einherwaudelt. Diesund ähnliches braucht uus aber dermalen wenig anzufechten,weil es eingestandenermaßen auf der allseitigen still-