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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Gewißheit vorauszubcstimmen; wie daraus jedem der kou-trahircndcn Teile die Furcht erwachsen muß, daß der An-dere ihu überlisten wolle; wie auf diese Weise uuablüssigSaat des Zwiespalts ausgestreut wird; wie aber auchgleichzeitig alle Beweglichkeit verbauut wird, wo allen, imVertrauen auf den Segen der Kräfte - Entfesselung zuwagendeu Versuche» Thür und Thor verschlossen bleibenmuß! Wer vorwärts geheu will, muß einen Fuß vor denandern setzen. Die Politik der verbündeten Regierungen,indem sie darau festhält, keine Erleichterung ohne gleich-zeitige Gegenleistung zu gewähren, verlangt von dem Zoll-Parlament, daß es mit zusammengebundenen Füßen vor-wärts hüpfe, wie die Spriugprozession von Echternach .Und darum sind wir, wenn Sie von dem österreichischenHandelsvertrag absehen, dessen Schicksal voraus entschiedenwar, auch praktisch kaum vom Fleck gekommen. Bei alleingntem Willen von der einen und der anderen Seite konntensich Negierung und Parlament nicht entschließen, mutig indas Gebiet der lebendigen Finanzresultate, iu das Dickeder Ziffern hineinzugreifen. Man wagte sich nicht überdie Schwelle der Prinzipien hinaus, die Konsequenzen derEntscheidung thatsächlich aus ein Minimum beschränkend.Im Prinzip nahm das Parlament die Tabakssteuer an, imPrinzip wies es die Petrvlenmsteuer von sich, im Prinzipzogen die Zoll-Buudesräte die Tariferleichterung zurück.Weil keine Seite der andern einen finanziellen Vorsprnngeinräumen wollte, begnügte man sich mit rein theoretischenAussprüchen von unbedeutender Wirkung anfs Leben. Somußte man der alten deutscheu Uusitte treu bleiben, dieDiskussion als die Hauptsache und die Anwendung aufsLeben als die Nebensache zu betreiben.

Das geht nuu zur Not freilich ein erstes Mal. Aberauf die Länge wird es unerträglich. Und dennoch kanu

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