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geber von der Verkündigung der neuen Lehre abzuhalten,in diesem Augenblick erblicke» die Gegner des deutschenNationalstaats in der römischen Glanbenspvlitik ihre ersteund stärkste Verbündete. Man muß sagen: der Augenblickist gut gewählt!
Ihr zweites Zion ist die österreichische Monarchie.Diese ist in so unglücklicher Lage, daß es trotz aller ihrerSüuden grausam erscheinen könnte, das jammervolle Bildihres unanshaltsam hereinbrechenden Untergangs zn ent-rollen. Erinnern Sie sich noch, wie jüngst die Schützengen Wien Pilgerten? Dort sollte das Morgenrot derdeutschen Wiedergeburt ausgehen, vou dort her aus engsterVerbrüderung mit dem österreichischen Kaisertum die Kraftdes deutschen Reiches entspringen. Nicht zwei Jahre sindvergangen und wie hat der Engel der Vernichtung auf-geräumt iu diesen Kreisen! Die Wehr nud Waffe, welchedas deutsche Reich decken sollte, sie ist zn Schaudeu ge-worden, zuerst an der widerspenstigen Lanne eines kleinenBergvolkes. Aber der mutwillige Hohn dieses uubezwuugenenAufstaudes war nur das Signal der Empörung für diebnutgemischten Stämme, welche der hundertjährige Absolu-tismus unter dem Scepter Habsburgs zusammengehalten.Wie ward nns die Sonne der Freiheit als von Ostenkommend angekündigt! Osterreich war im Handumdrehender Musterstaat geworden. Schwaben beteuerte es, und inFrankreich glaubte man's. Als die ersten warmen Strahleneiner gewissen Freiheit auf dieseu Moder fiele», geschah,was geschehe» mußte »ach dem Naturgesetz: er geriet inGärnng, u»d die einzelne» Bestandteile liefen »ach allenWeltgegenden auseinander; die freisinnigen deutschen Mi-nister, welche iu redlicher Absicht sich der unmöglichen Auf-gabe unterzogen hatten, diese Quadratur des Zirkels einesliberalen Gesamtösterreich zu'finden, sind in alle Wind-