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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Wenn ich Ihnen diesen Ausspruch eines weltkundigenund freiheitliebenden Franzosen wiedergebe, so geschieht esnicht, damit Sie etwa selbstgefällig die Hände falten undsprechen:Herr, ich danke Dir, daß ich nicht so bin wiejene" sondern damit Sie den darin enthaltenen Vorratvon Wahrheit in Ihr Urteil über die gegenwärtige Lageausnehmen. Es wäre gewiß falsch zu sagen: ein Volk sollseine ganze Aufmerksamkeit nur deu hausbackensten An-gelegenheiten der Staatswirtschaft zuwenden. Aber vielfalscher noch ist es, ihm jeden Augenblick die letzten Rätselder Staatsphilosvphie zur Auflösung vorzulegen, und wirwerden behaupten dürfen, daß dermalen unsere Wege derrichtigen Mitte uäher zu liegen, als die unserer Nachbaren.Warum wirft Napolcou III. jetzt diese allgemeinen Fragender politischen Weisheit in die ihnen ünebenbürtige Massehinein? Offenbar doch nur, weil ihu gelüstet, die Bahndes sachlichen Fortschritts, in welche er auf eine kurze Zeithineingezwungen worden, wieder zu verlassen; weil er un-geduldig das Joch eines parlamentarischen Regiments trug,welches zu gesunder Werkthätigkeit statt zu falschem Blend-werk sichren mußte. Die neue Konstitution mit ihrenfünfundvierzig Artikeln, das Plebiszit selbst ist ihm nurMittel znm Zweck, nur Vorwand. Der leitende Instinkthat es auf die Wiederherstellung der Herrschaft der leerenFloskel an der Spitze des Staates abgesehen. Von neuemwird man sich gegen jeden Einwurf mit der Berufung aufdie höchste Willeuserklärung des Volkes in Sachen desPrinzips verteidigen können. Die scheinbar guten Vorsätzeeiner kurzen bescheidenen Bessernngsperiode weichen denMißbrüuchen der schlechtesten Zeiten. Plumpe Taschen-spielerkünste, grobes Marktschreierwesen, offener Betrug ver-binden sich, um die Komödie der Volkssouveränetät aus-zustaffieren, welche doch mir dem Hofe zu gute kommen

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