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soll, und es giebt kaum eiu widerwärtigeres Schauspiel, alseine ganze Nation von so hohler Gaukelei in Anspruch ge-nommen zu sehen.
Allerdings sind wir nicht berechtigt, den Wert oderUnwert grnndrechtlicher Feststellungen nach dieser Karrikaturzu beurteilen. Aber die Karrikatnr enthüllt uns dieschwachen Seiten des Originals, uud sie mahnt uns imvorliegenden Falle an die Unzulänglichkeit der prinzipiellenLösungen überhaupt. Nur scheinbar gehen diese den Dingenauf den Grund, in Wirklichkeit bleiben sie stets aus derOberfläche. Sachkenntnis, Arbeit, Ehrlichkeit kommen dabeiviel weniger in Thätigkeit, als die Gewandtheit, mit dia-lektischen Formeln umzuspringen, nnd ein einziges falschesZwischenglied, zwischen Vor- nnd Nachsatz eingeschmuggelt,genügt, wie im gegenwärtigen Exempel, um aus den schönstenVoraussetzungen die verderblichsten Fotgeruugen zn ent-wickeln. Die Staatskunst dieser Gattung steht der Scho-lastik des Mittelalters viel näher, als der modernen Wissen-schaft, die ihre Ännde von den Dingen von unten aufbautund der Beobachtung am Leben abgewinnt. Und darumzwar verrichten wir noch keine Heldenthaten, wenn wirWochen damit hinbringen, abzuwägen zwischen wohlfeilenWerkzeugen, wohlfeiler Nahrung nnd wohlfeilen Kleiduugs-stückeu, aber wir stehen dabei doch der echten Methode,das gemeine Wohl zn fördern, um ein Gewaltiges näher,als die, welche um die Definition der Freiheit nnd Brüder-lichkeit streiten.
Sie denken wohl: diese Betrachtungen möchten zwaran ihrem Platze sein in einer Parallele zwischen dem Zoll-Parlament uud dem Plebiszit, im übrigen aber lägen siedemjenigen fern, worüber mir eigentlich Ihnen zu berichtenobläge. Aber Sie irren sich. Diese Gegensätze behauptetenihre Stelle anch im Innern des Zoll-Parlaments, nnd sie