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allein tragen die Schuld, wenn unsere schon ganz leid-lichen Endergebnisse nicht noch rühmlicher ausgefallen sind.Auch wir hatten unsere Plebiszitomaneu und Gruudrechts-schwärmer iu unserer Mitte. Sie werden mich fragen:wie kommt Pilatus ins Credo, das Prinzip ins Roheisen?Hätt ich's nicht erlebt, ich wüßt's Ihnen auch nicht zusagen. Es giebt aber Politiker, welche nicht blos im Pnnkteder Menschenrechte nach dem Wahlspruch handeln: allesoder nichts! — sondern auch iu Sachen der Baunuvoll-preise, nnd welche aus Gesiuuungstrcue gegen den be-stehenden Kaffeezoll lieber eiueu Tarif verderben helfen, alsgegen ihre Kaffee-Überzengung zu stimmen, mögen sie auchvvu vvrnberein sicher sein, in einer wirkungslosen Minoritätzu bleiben. Ja, dieses Wohlgefallen an der blos üußer-licheu Behandlung der Dinge und die Gleichgiltigkeit gegenderen thatsächliche» Inhalt gehen so weit, daß ein hochacht-barer Abgeordneter namens seiner Partei gelegentlich dieserAbstimmnng die wunderliche Erklärung abgeben konnte: „erverwahre sich gegen das Kompromis, welches hinter denKulissen zustande gekommen sei." Das sollte heißen: es seihimmelschreiend, daß die verschiedenen einander entgegen-gesetzten Ansichten über Eisen, Reis, Kaffee uud Garnzölle,auch noch nach Schluß der öffentlichen Sitzungen unter-einander beraten hätten, um zu einer Verständigung zu ge-langen. Wie muß eine Partei im bloßen Formwesen ver-rannt sein, um solche Vorwürfe auszuhecken! Und gerätman nicht unwillkürlich auf die Schlußfolgerung, daß, werdie Wäude des Sitzungssaales für Kulissen ansieht, in demSitzungssaal selbst ein Theater erblickt? Wer nur Ten-deuzpolitik treibt, erliegt ebeu leicht der Versuchung, ansjeder Beratung ein bloßes Schauspiel zu macheu uud vielweniger Wert darauf zu legen, daß sie zur Verstäudigungunter den Parteien führe, als zu einer recht prächtigen und