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wüßte ich nicht, welche Kompensationen man mir bietenkönnte. Eisen und Kaffee sind kommensurable Größen, Rechtund Vorteil sind es aber nicht. Man erwidert: die Todes-strafe wird, wenn das neue Strafgesetz fallt, doch in Kraftbleiben. Ja, aber wie im Fundament erschüttert und darummoralisch unmöglich, wenn der Reichstag „Nein" gesagt hat,und wie befestigt und erleichtert, wenn er „Ja" sagt! DaßDeutschlands Wiedergeburt in drei deutschen Staaten denGalgen wieder aufrichtet, darf wahrhaftig nicht übersehenwerden. Sollte durch die Unbengsamkeit der Regierungendas Strafgesetzbuch diesmal fallen, so muß die Nationdafür die bessere Zeit abwarten, die ihr so viel anderesnoch schuldet, was ihr die Ungnnst des Augenblicks ver-weigert. In welchen Dingen wird denn ein Parlamentkünftig hoffen dürfen, daß feine Mehrheit in den Augeuder Regierung etwas bedeute, wenn es in dieser Frage beisolcher Mehrheit schließlich eingesteht i es war nicht unserErnst, wir Haben's nur probiert mit Ench! Was dürftIhr von einer Regierung erwarten, die Ihr selbst so schlechterzogen hättet? Daß im Zoll-Parlament eben durch wechsel-seitige Zugestäudnisfe etwas zustande gebracht ist, scheintmir dem Reichstag zugnte zu kommen, wenn er jetzt fest-hält. Wir haben eben gezeigt, daß wir ernstlich etwas zu-stande bringen wollen und nachgeben können. Nun giltes zu zeigeu, daß man nicht wollen muß um jeden Preis,und daß man nicht nachgeben kann in jedem Falle. NochEins, ich gestehe es, ist nicht ohne Eindruck aus mich, wennschon manche darüber lächeln werden. Der deutsche Reichs-tag hat vor der ganzen gesitteten Welt Stellung genommenin dieser Frage unter dem Panier des Fortschritts. Nichtshat ihm so sehr die Gunst des allgemeinen Welturteils ein-gebracht. Das läßt sich nicht in Groschen nnd Pfennige um-