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Südens am Ende der Tage gefallen möge, seine erhabeneSelbstherrlichkeit aufzugeben. Solchem Skandal ein Endezu machen, war der nächste Zweck des Antrags, welchender Abgeordnete Laster im Reichstage dahin gestellt hat:daß jeder einzelne Staat ans sein Verlangen ohne weiteresin die Gemeinschaft des Norddeutsche» Bundes aufgenommenwerde. Für unser armes Hessenlaud wäre aus der An-erkennung dieses Satzes schon der Gewinn entsprungen, das;endlich einmal zur Klarheit hätte kommen müssen, wem denndie Sprödigkeit des Statusqnv zur Last fällt: ob derpreußischen Politik, wie Hesseu zu verstehen giebt, oder derhessischen Politik, wie Preußen andeutet. In ebenso fa-taler, wenn anch minder lächerlicher Weise findet sich Badenausgeschlossen, nur daß hier über den Sitz des Widerstandeskeine Zweideutigkeit möglich ist. Alle schönen und un-schönen Gründe, mit denen Gras Bismarck dem LaskerschenAntrag gegenüber seine müde, deutsche Stillstandspolitikverteidigt hat, fallen für uns nicht halb so schwer ins Ge-wicht, als die Thatsache der ungereimten Rechtlosigkeit undRcchtsverwirrnng, mit der wir gegenwärtig zwischen Nordund Süd in der Luft hängen. Allerdings ließ der Grafso zwischen den Zeilen lesen, daß es mit Hessen ein anderesDing sein möchte, als mit Baden; daß unter UmständenHessen eintreten könnte. Aber so lange er den EintrittBadens von sich weist, kann es ihm auch mit dem vonHessen nicht rechter Ernst sein; denn wie vermöchte er sichdarüber zu täuschen, daß nach Hessens Aufnahme das schonjetzt kaum anfhaltbare Andringen von Baden ganz unwider-stehlich werden müßte? Und darum hat mit Recht diedeutsche Nationalpartei an die Spitze ihres Programms ge-setzt: daß jedem südlichen Staat ohne Rücksicht ans seineNebenländer das Recht zuerkannt werde, in den Bund- ein-zutreten. Der Bnndeskanzler liebt es, in Gleichnissen zu
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