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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
Seite
212
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reden, die überhaupt bekauutlich wenig beweisen, aber auchim besondern Fall nicht immer passen. So das Bild vondem süddeutschen Milchtopf, welchen der Norddeutsche Bund nicht abrahmen möge. Aber mir will scheinen: gerade dieserBrauch empfehle sich hier. Je wertloser das Zurückbleibendefür sich ist, desto weniger hat es Ursache, auf eigene Faustweiter zu existieren. Jetzt sind die vier Staaten, Hessen ,Baden, Württemberg, Bayern , uoch etwas, sie stelleu fürnusere Gegner diesseits uud jenseits der Grenze uoch denSchatten eiues Gesamtbegriffs vor unter dem NamenSüd-deutschlnnd" mit der wenn auch noch so nebelhaften Mög-lichkeit einesSüdbundes". Mau entziehe ihnen Hessen und Baden, uud sie bleiben nichts mehr als zwei Klein-staaten, die weder sich zu eiuem Ganzen zn vereinigen,noch in ihrer Selbständigkeit auf die ^änge zn verharren,Aussicht haben. Dann hat die verderbliche Mainlinie auf-gehört, die Äarte Deutschlands zu entstellen; dann hat derName, der lächerliche, ärgerliche NameSüddeutsche" auf-gehört, einen Sinn zu habe«: daun giebt es auf der einenSeite: Deutsche , auf der andern: Württemberger uudBayern, denen der Schimpf und Spott solcher Zwerg-nationalität bald zum Ekel werdeu muß. Mit der Theorie,daß er nur die vier süddeutschen Staaten ans einmalnehmen könne, verläßt der Bundeskanzler die ganze Tra-dition seiner eigeueu iuneren Politik; er verfällt damit inden Irrtum gerade seiner uuversöhulichsteu Gegner, welcheauf ihre Fahue geschrieben haben:Alles oder nichts!" undes ist gar uicht abzusehen, warum in ein so nnträtablesProgramm (welches ja nur eine Umschreibung des soge-nannten großdeutschen wäre) nicht auch Deutschösterreichsollte aufgenommen werden. Bekennen wir uns einmal zuder Formel, daß mit dem nächsten Schritt der deutsche