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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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neuen Gesichtspunkten aufzubauen, sondern innerhalb desReformplanes auch noch die Gegenseitigkeits - Verhältnissezwischen dem Reich und seiner künftigen Zentralbank,zwischen dieser und den bestehenden Privatbanken, möglichstrationell zu ordnen.

Um zu ermessen, wie viele und wie bunte Fädenhier durcheinander liefen, stelle man sich gegenüber dieserthatsächlichen Aufgabe eine parlamentarische Versammlungvor (einerlei ob Reichstag oder dessen Spiegelbild: dieKommission der Einundzwanzig), deren Elemente von denallerverschiedensten Standpunkten aus an die Lösung heran-traten.

Da waren zunächst die Mitglieder der Zentrumspartei ,von Hause aus politisch der Schaffung einer Reichsanstaltund namentlich einer von so hervorragender Bedeutungdurchaus widerstrebend; daher natürlich darauf bedacht,was ihnen im großen und ganzen aus der Hand gewundenwar, im kleinen und einzelnen wieder an sich zu reißen,und da einmal Bayern den Grundstock des Zentrumsliefert besonders ängstlich darüber wachend, daß bayrischeVerhältnisse möglichst wenig von den bevorstehenden Neue-rungen berührt werden möchten.

Neben dieser in der Hauptsache reformwidrigenStrömung des Zentrums lief, weniger breit vertreten, abernicht weniger energisch, die der sogenannten Agrarier her.Ist das zentrale Element wesentlich bayrisch gefärbt, soträgt das agrare ein vorwiegend altpreußisches Kolorit.Manchmal tritt es mit der gottesfürchtigen Miene auf.welche überhaupt in der Entwicklung von Handel und In-dustrie nur wachsendes Teufelswerk sieht; gemeinhin be-schränkt es sich auf das offenherzige Geständnis, daß esden Gewinn, welchen Handel und Industrie erzielen, alseinen Raub am Ackerbau betrachtet. Mit den französischen