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hängt dies ohne Zweifel zusammen mit dem ganzen Ent-wicklungsgang der deutschen Nation. Die große Zeit unsererHandelsblüte, der kaufmännischen Granden von Nürnberg und Augsburg im Südeu, der politisch mächtigen Hansaim Norden, war längst dahin, als in? siebzehnten und acht-zehnten Jahrhnndert Holländer, Engländer und Franzosen den Weg ihrer kommerziellen Eroberuugen betraten. Damitzusammenhängend blieb im Ganzen, auch gesellschaftlich, derHandelsstand in geringerer Lage als anderwärts. Adel,Offiziere, Beamte und Gelehrte blickten und blicken zumTeil noch heute auf ihn herab.
Ein Umstand, der vielleicht dazu beiträgt, unsere jungenKaufleute geschäftstauglicher zu machen, als ihre Gcnosfenfremden Ursprungs, trägt dazu bei, ihnen gesellschaftlich zuschaden, nämlich ihre realistische Vorbildung. Das Systemder Realschulen ist nirgends so verbreitet und ausgebildetals in Deutschland ; die klassische Schulbildung für die Er-ziehung der zum Kaufmannsstande Bestimmten ist bei unsdie Ausnahme, in Frankreich und England die Regel. Obdas gut oder schlecht sei, ist eine Frage für sich. Aber eswirkt, wie es bei uns liegt, nicht günstig für die Ausrottungdes Hochmuts, mit dem die studierten Leute auf die un-studierten herabschauen. Der deutsche Kaufmann ist imAuslande mehr geachtet als zu Hause. Vor Jahresfrist giugdurch die englischen Blätter und namentlich durch die Spaltender Times monatelang ein stehender Artikel über die Ge-fahr, in allen überseeischen Ländern vom deutschen Groß-handel überflügelt zu werden. In allen Weltplätzengiebt es deutsche Häuser ersten Ranges. Die soziale Jn-feriorität, die dem Stande, wie wenig immer, daheim an-haftet, ist nicht gemacht, sie zurückzulocken. Naturgemäßist der Stand selbst mitschuldig. Die lächerliche Gewohn-heit, um die Rats-Titel zu werben, mittelst derer reiche