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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Kaufleute in den bureaukratischen Tschin eingereiht werden,als höchste Belohnung, und welche die höfische Sitte ihnenfreigebig spendet, eben um sie einzurangieren, hat bei andernNationen nichts Analoges aufzuweisen. Freilich gehen ihnenunsere Universitätsprofessoren in ihrem tschinesischen Be-dürfnis nach dem Rats- und Geheimen Rats-Titel mitgutem Beispiel voran; doch liegt diesen als Beamten uud auch aus sonstigen Gründen die Verführung näher. Wares sonst nur eiu Mehr oder Weniger von änßerer Ehre,um welche der Kaufmannsstand zu kurz kam, so brachte dasBörsenwesen auch im Punkte des sittlichen Inhalts beträcht-lichen Schaden. Es konnte nicht ausbleiben, daß die Ge-samtheit litt unter den Vorwürfen, denen die Einzelnen ingroßer Zahl sich aussetzten; und, was noch viel schlimmerist, aber der Unparteilichkeit zu Ehren offen gesagt werdenmuß: auch die guten und soliden Kaufleute haben vorüber-geheud bei uns vergessen, an den Lehren der Nüchternheitund Enthaltsamkeit fest zu halten, denen sie ihr Aufkommenverdanken. Der kritische Geist der Berliner Börsenwelt,der zu sprüchwörtlicher Anerkennung gelangt war, hielt demSturm der Grüuderperiode gegenüber nicht Stich. Esgiebt solche Zeiten, in denen unberechtigte Mächte dermaßenan Gewalt zunehmen, daß sie auch den Besten an seinemGlaube» irre machen. Rechnet man dazu, welche Gefühleim unbeteiligten Publikum das Schauspiel finanzieller Feuer-werkstiinste weckt; wie natürlich es ist, daß man sich fürbester hält als den Nächsten, der dem Mammon mit Er-folg räuchert, nimmt man das alles zusammen, fügtman noch den Beigeschmack hinzu, welchen breite sozialistischePropaganda dem öffentlichen Urteil zusetzt, so wundert mansich schließlich nicht mehr, wenn man es auch bedauert, daßoft kommerzielle Wünsche nur mit einer Art verlegenenStaminelns vor die Gesetzgebung hinzutreten wagen. Die