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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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schon an sich, und abgesehen von allen Konvulsionen, welcheden Metallmarkt dermalen erschüttern, etwas höchst Bedeut-sames, daß zum erstenmale die Frage aufgeworfen wird, obnicht die eine der beiden Mächte, welche bisher gemeinsamdie Welt beherrschten, durch die audere aus dem tausend-jährigen Kondominium hinausgedrängt zu werden Gefahrlaufe? Nun ist allerdings wahr, daß vor etwa einemMenschenalter auch das Reich des Goldes erschüttert schien.Als Ende der vierziger Jahre gleichzeitig die kalifornischenund australischen Goldfelder aufgeschlossen wurden, hörteman einzelne Warnungsstimmen, die eine tiefe Störung indem bisherigen Gcgenseitigkeitsverhältnis der Edelmetallevoraussagten und den Völkern den Rat erteilten, sich gegendie Wertverringerung des Goldes zu wahren. Daß siedamals sich irrten, steht heute fest, und es liegt nahe,denen, welche jetzt die gleiche Gefahr als dem Silber drohendProphezeien, jenen Irrtum entgegenzuhalten zum warnen-den Exempel vor allzu raschen und weittragenden Schlüssenauf diesem Gebiete.

Doch nur im ersten Zusammenprall entwickelt dieserEinwand eine gewisse rückstoßende Kraft. Umsichtiger undausdauernder Erwägung hält er nicht Stich. Zunächst,was ist mit dem Faktum bewiesen, daß einmal schon dieseroder jener wohlberufene Sachkenner sich in einem ähnlichenFall geirrt hat? Nichts anderes, als daß jeder sich irrenkann! Dazu bedarf es wahrlich keiner Belege. Diese Mög-lichkeit ist stillschweigend eingeschlossen in jeglichem Aus-spruch, den menschliche Urteilskraft zu Wege bringt.

Jener frühere Vorgang entkräftet also die heute zuziehenden Schlußfolgerungen nicht in anderem Sinne, alses der auch ohuc ihn feststehende Satz thut:Irren istmenschlich." Und darum ist er für das Maß des Ver-trauens, welchen neue Untersuchungen derselben Art bean-