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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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geld verdankt seinen Ursprung der Not oder Gewinnlustder Regierungen. Gemischter Art ist die Entstehungsursacheeiner andern, mehr den älteren Zeiten angehörenden Be-wegung. Es ist die, welche dazu führte, unter derselbenhöheren Bezeichnung in fallender arithmetischer Progressionallmählich geringeren Metallwert zu verstehen. Nachdem dieRömer vom Kupfer zum Silbergeld übergegangen waren,machten sie alsbald das As der alten vollwichtigen Kupfer-währung (Äks Arg.?e>) bedeutend leichter, während sie derMünze denselben Namen ließen. Indem das Kupfer oderErz blos Scheidemünze, d. h. fiktives Geld wurde, konnteman ihm beliebige Gewichtsteile entziehen, ohne seine Essenzanzugreifen, und indem man es that, gehorchte man demBedürfnis nach mechanischer Erleichterung des Verkehrs.Etwas Ähnliches haben die schweren französischen Sous-stücke der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts erfahren. Dochviel bedeutsamer ist die analoge Erscheinnug aus dem Ge-biete der Münzen aus Edelmetall. Noch heute bedient sichdas Leben znr Bezeichnung der bekanntesten Münzen solcherNamen, die zu deren Gehalt im Widerspruch steheu. Eiumerkwürdiges Exempel dafür liefert unser deutscher Gulden,der, wie der Name besagt, ursprünglich golden war (Florindie betreffende alte Florentiner Goldmünze). Eigentümlichist ferner, wie das Pfund (Libra, Livre, Pound ), ursprüng-lich das effektive Gewicht der Münze bezeichnend, sich alsbloßer Münzname erhalten hat; das römische as 1idra1i8oder 1ivrg,rius, zuerst wirklich ein römisches Pfund schwer,kommt schon früh von 12 auf 10 Unzen, dann auf 4 (sstrikutgUs). Das englische Pfund Sterling war im Anfangein Pfund Silber, die französische Livre war das PfundSilber Karls des Großen, das allmählich zu seinem sechs-undsiebenzigsten Gewichtsteil herabschmolz, denn der Francder Revolution war um eine Schwebung der alten Livre