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gleich, und noch heute hat der Sprachgebrauch namentlichin gewissen Verbindungen die alte Bezeichnung beibehalten.Ähnliche Schicksale erlebten die bekanntesten Goldmünzendes Altertums, der Dareikos und der Aureus. Die meistendieser Herabmiuderungen entsprangen allerdings der Notoder der betrügerischen Absicht der Regierungen, welche,den alten Namen bei verringertem Gewicht beibehaltend,einen künstlichen Wert schaffen zu können vermeinten. Aberauch die besser beratenen Münzreformatoren späterer Zeitenkehrten niemals zn den schweren Gewichten älterer Periodenzurück, sondern huldigten dem Bedürfnis der modernenWelt, indem sie unter dem alten, schweres Gewicht be-deutenden Namen leichtere Münzen schufen.
Das Bedürfnis nach einer leichten und weuig umfang-reichen Münze sicherte dem Golde die Vorliebe der weiter-schreitenden Gesellschaft. Aber damit allein war das gleich-berechtigte Nebeneinandergehen von Silber und Gold nochnicht gefährdet. Diese weitere Folge wurde erst herbei-geführt, als die potenzierte Selbstbeobachtung der mo-dernen Menschheit das wirtschaftliche Problem dieser Gleich-berechtigung zu zergliedern begann. Die ganze Präokkupationentstammt neuesten Zeiten. Allerdings haben gewisse äußereVorkommnisse dazu mitgewirkt, die Frage anzuregen. Aberwesentlich erwuchs sie aus der Arbeit des reifenden ökonomi-schen Gedankens. Das bloße Schwanken des gegenseitigenWertverhältnisses zwischen beiden Metallen gehört dem Be-wußtsein bereits der ältesten Zeiten an. Zahlreiche Gesetze,unter denen am häusigsten das den Goldwert reduzierendeEdikt von Medina (Jsabellas der Katholischen) erwähntwird, befaßten sich mit Abänderung und Festsetzung des-selben. Aber die Frage, ob eine solche Fixierung zu demZweck einer gleichberechtigten Zirkulation überhaupt statt-haft sei, datiert erst vom Ende des achtzehnten Jahrhunderts.