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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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der Dinge in Frankreich erkennen. Nicht der selbständigeWunsch nach Reform, nicht die Verwertung theoretischerErkenntnis, sondern der Druck der faktischen Bedrängnisseschob die Gesetzgebung vorwärts. Holland besaß die reineSilberwährung, uud ganz folgerichtig hatte es den Privatendie Freiheit gegeben, Barren zu Münzen ausprägen zulassen. Sobald der Silberpreis namhaft herunterzugehenanfing, drängten sich natürlich die Barren zu, um sich inGulden zu verwandeln, und das Königreich ging der Ge-fahr entgegen, einen Geldumlauf bei sich anwachsen zusehen, der in dem Maß sich steigern mußte, als das zuseiner Herstellung dienende Metall an Wert verlor. Dieaus einer solchen Bewegung sich erzeugenden Mißständeführten so unmittelbarerwcise zu handgreiflichen Verlegen-heiten, daß für theoretisches Besinnen über die Metall- undMünzpolitik nicht lange Zeit übrig blieb. Man mußte dieThür schließen, um nicht Land und Leute in Zuknnftgroßen Verwirrungen und Verlusten auszusetzen. Auchhier, wie später in Frankreich , erhob sich die Gesetzgebungnicht auf einen Schlag zur Erkenntnis der definitiven Um-gestaltung, welche den unvermeidlichen Schluß der großenWandlung bildet. Vorläufige Maßregeln und abwartendeBetrachtungen mußten zunächst ausreichen, um den unab-weisbarsten Mißständen des Augenblicks zu entgehen.Hollands Widerstreben gegen eine sich dem Silber ent-schieden abwendende Münzpolitik lag in der Natur der Sache.Es hatte erst vor einem Vierteljahrhundert die Gold-währung abgeschafft, und seine großen Kolonien, die inihrer Art noch wichtiger für seine gesamte Wirtschaft sindals das indische Reich für die Wirtschaft Englands ,sind wie der ganze ferne Osten noch eng mit der Silber-währung verwachsen. So entschloß man sich also, in derHoffnung, einer endgiltigen Umkehr noch zu entrinnen, zu