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nur Silber in der Zirkulation. Ganz abgesehen von derdaraus sich für den Verkehr ergebenden mechanischen Un-bequemlichkeit konnte dem sachverständigen Urteil nicht ent-gehen, welche nachteiligen Verschiebungen am Wechselkurssich daran knüpfen müßten, welche Verwirrungen und Ver-luste bei weiterer Verminderung des Silberwertes dem Ge-meinwesen drohten. So ergriff die Schweiz die Handhabe,welche ihr der Art. 11 des Vertrags von 1865 bot, umEnde 1873 eine Konferenz der Verbündeten Staaten zuverlangen, die sich mit den bezeichneten Mißstünden undGefahren zu befassen habe. Auf der gemäß diesem An-sinnen eröffneten Konferenz begannen die Abgesandten derSchweiz damit, grundsätzlich für die Staaten der Kon-vention die Einführung der reinen Goldwährung uud alserste, dringende Vorbereitungsmaßregel das Einstellen allerSilberausmünzung zu verlangen. Aber noch war Frank-reich nicht gesonnen, die Lage der Dinge mit unbefangenenBlicken zu überschauen, und die beiden anderen Mitver-bündeten hatten jeder seine besonderen Gründe, Frankreichs Spuren zn folgen. Dieser Tendenz kam — ob aus zu-fälligen oder nicht zufälligeil Veranlasfungen, weiß mannicht — ein günstiger Umschlag auf dem Londoner Silber-markt zu Hilfe. Kaum war nämlich die Konferenz zu-sammengetreten, als eine plötzlich gesteigerte Silbernachfrageden Kurs um etwa zwei Prozent hinauftrieb nnd sofortdie Anhänger der Silberlegitimität die Wiederkehr der gutenalten Zeit ankündigten. Aber selbst dieser ganz momentaneAufschwung erreichte doch noch lange nicht wieder die Höhe,welche dem alten Normalverhältnis von 15^/z zu 1 ent-sprach; und so war nicht einmal zu bestreiten, daß selbstunter der Einwirkung des wieder gestiegenen Wertes dieInvasion des Silbers und die Aufsaugung des Goldesfortgehen müsse.