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ist, weniger Ehre widerfahren, als es beanspruchen kann.Wie schon angedeutet, wäre das entgegengesetzte Verfahrendas richtigere gewesen. Die Schlußfolgerungen sind vonsehr zweifelhafter Beweiskraft, aber die ihnen zugrundegelegte Darstellung aus dem Gebiet der Geologie undMontanindustrie ist sehr verdienstlich. In ihr liegt derWert des Buches.
Herr Eduard Süß ist, wenn nicht in Deutschland , sodoch in der österreichischen Monarchie zu einem bedeutendenRufe gelangt. In England geboren, kam er früh nachWien und seiner nach den verschiedensten Richtungen hinbewährten Leistungsfähigkeit thaten sich bereitwillig allePforten des öffentlichen Lebens auf. Geologe von Fachund vortragender Professor ist er zugleich Kustos desMuseums, Mitglied des Gemeinderates und des Ab-geordnetenhauses. Während seine akademischen Vorträgedie Jugend bezaubern, reißen seine politischen Reden dieMänner der parlamentarischen Versammlungen mit sich fort,unter deren Leuchten er gezählt wird. So wird berichtet,und danach begreift sich, daß man ihm in der österreichischenPolitik eine bessere Zukunft prophezeit, als die, welche erdem Golde verkündet. Mit beiden Weissagungen vielleichtstimmt es ganz gut, daß sein warmer österreichischerPatriotismus hervorgehoben wird. Bei aller Anerkennungnämlich, die ich seiner Untersuchung, gerne zolle, kann ichmich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier eine stattlicheRede pro äonrc, austriaeg, gehalten wird, welche die Weltzur Ansicht bekehren soll, daß das Heil einer guten Müuz-politik nnr in der sogenannten Doppelwährung, in demfriedlichen und fest geregelten Nebeneinander von Silberund Gold zu finden sei; und als der Weg des Heils wirddie monetäre Völkerverbrüderung empfohlen, welche neuester