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einige Worte zu richten, und die Gesinnungen und Wünschedes Stiindes der Gelehrten überhaupt bei dieser feierlichenGelegenheit auSzusprechen. So wie Geist und Körperim menschlichen Organismus zu Einem Wesen aufs innigsteverschmolzen sind, so einigen und durchdringen, so heben undtragen sich gegenseitig Kunst und Wissenschaft in demerhabenen Baue des Tempels menschlicher Cultur, der instufenweise« Ausbildung und Verherrlichung fortschreiten wirdbis an das Ende der Tage. Mit der wärmsten und freu/digsten Theilnahme begrüßen daher sämmtliche Hochschulenden Gedächtnißtag einer Erfindung, die ihnen die Pfortender Weisheit aller Zeiten und aller Nationen eröffnet hat,und die so wesentlich die Mittheilung und Verbreitung ihrereignen Entdeckungen und Erzeugnisse auf den unabsehbarenGefilden des Denkens und des Forschens erleichtert und be-schlcunigt. Vor allen erkennt die Universität Leipzig die Vor-züge, die sie dem regen Aufschwünge der Vuchdruckerkunstund des Buchhandels am hiesiaen Orte verdankt, der hier,durch zum Mittelpunkte des wissenschaftlichen Verkehrs imgemeinschaftlichen deutschen Vaterlande geworden ist. Aberso wie diese edle Kunst heute den verdienten Triumph ihrerFortschritte in dem abgewichenen Jahrhundert feiert, so hofftund wünscht auch die Universität, nicht blos als eine alteund durch ihr Alterthum ehrwürdige Stiftung, sondern alseine sich ewig verjüngende und in frischer Jugcndkraft fort-blühende und fortschreitende Anstalt betrachtet zu werden, dieihrer hohen Aufgabe als Pflanzstätte und Pflegerin der Wis-senschaften in diesem Zeitraum entsprochen zu haben und fettner zu entsprechen glanbt, indem sie eifrig und unermüdecalle wahren Fortschritte der Zeit in sich aufnimmt, sich an-eignet und fortbildet, dagegen aber Vcrirrungen und Thor-heiten/ die auf Schwäche, Fanatismus, Täuschuug und Aber«glauben berechnet sind, mit strengem Ernste zurückweist, in-dem sie classische Richtung- und Bildung als die Grundlagewahrer Gelehrsamkeit festhält, ohne, wie unbesonnene und