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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Ueber das historische Element

gedrückt, bis eine moderne Schule, sich dieses fremdartigen Bal-lastes entladend, wähnte zu einer sogenannten ganz reinen Geo-graphie übergehen zu müssen, um das eigentliche Wesen dieser,alle Proteusgestalten annehmenden Wissenschaft zu ergreifen.

Wenn nun diese, mit Buache's physikalischem Atlas und Gat-terers kurzem Begriff der Geographie, nach natürlichen Quartierenbeginnende Reform von den Geographen consequent durchgeführtworden wäre, so hätte aus ihrer Verwerfung alles Historischeneine blos physikalische oder sogenannte natürliche Geographie her-vorgehen müssen, die,-so vollkommen man sie sich auch ausgear-beitet denken möchte, doch immer nur ein Theil der geographischenWissenschaft überhaupt sein würde, wenn wir dieser den vollenInhalt nach obiger Bezeichnung, nämlichals eine Wissenschaftdes irdisch erfüllten Raumes" zugestehen. Die Verarmung undgewissermaßen die Erstarrung, welcher das Leben der geographi-schen Wissenschaft jedesmal unterlag, sobald sie sich in jenenschwachen compendiarischen Versuchen, um desto reiner aufzutre-ten, aller historischen Bereicherung entäußerte, waren um so auf-fallender, da diese zugleich auch keinesweges tief genug in dasWesen der allgemeinen Physik eindrangen, um etwa von dieserSeite die Wissenschaft durch Begründung für dasjenige zu ent-schädigen, was sie ihr auf der andern Seite durch die Verwei-sung des Historischen versagten. Um noch sicherer zu verfahren,hätten sie eigentlich auch darauf ausgehen müssen, das geometri-sche und arithmetrische, oder das mathematische Element aus ihrerreinen Wissenschaft zu verbannen. Unbefriedigt durch dergleichenöfter sich wiederholende Zeitbestrebungen, welche von nicht gerin-gem Einflüsse aus das System des elementaren wie des Gymnasial-und des Unterrichts in den Wissenschaften überhaupt waren, undunsere Literatur mit einem Ueberflusse von mehr oder minderbrauchbaren Hand- und Lehrbüchern überschwemmten, aber keineinziges die ernste Wissenschaft nur einigermaßen befriedigendesgeographisches Compendium erzeugen konnten, gerieth man nunwieder, wie so häufig, von dem einen Extrem auf das andere.Unbefriedigt durch die reine oder natürliche Geographie, kam man