in der geographischen Wissenschaft.
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allen Directionen hin ein Land der allgemeinen Passage entstan-den. Man muß zugeben, wie das wilde, unnahbare Roß derTurkestanen Steppe zum gebändigten edlen Hausthiere der civili-sirten Welt umgewandelt, eben so ist dies alpine Segment desErdrings in ganz andere Relationen zu seinen Umgebungen ge-treten, und der Einfluß dieser grandiosen Naturform verliert im-mer mehr und mehr von der bindenden und fesselnden Gewalt fürdie Völker. Wenn schon die physikalische Natur und die Dimen-sion fast dieselbe bleibt, so ist es das historische Element durchdie neugeschaffenen Organe, durch beseelte Bewegung, durch denKulturfortschritt, welches die Völker sich freier von Naturbedin-gungen bewegen lehrt. Die Kraft des Menschen und der Völkerbemächtigt sich aber immerfort dieser Naturbedingungen und me-tamorphosirt sie.
In ähnlichem, jedoch erst auf halbem Wege stehendem Fort-schritte dieser Art sehen wir das östliche Grenzgebirge Europa's,den Ural . Aus einer hemmenden Grenzform zweier Erdtheile,die Jahrtausende hindurch ihre Function vollkommen erfüllt hatte,begann dieser Gebirgszug seit einem Jahrhundert, seit Peter desGroßen Zeit, sich zu einem Lande des Ueberganges zwischen Eu-ropa und Asien auszubilden; es wird die Zeit vielleicht kommen,wo sein Land der Passage keine Scheidewand mehr, wie bisher seitHerodotus Zeit, zwischen dem Osten und dem Westen der AltenWelt bildet; ja, diese Periode scheint bei ihm selbst näher zustehen, als bei der weniger durchbrochenen Bergmauer des wil-deren Kaukasus, ungeachtet diese weit näher gegen die Mittedes ältesten klassischen Bodens der Weltgeschichte gestellt ist. Ausdieser Betrachtungsweise, wie das historische Element in die phy-sikalische Natur und Wcltstcllung der Gebirgsformen aller Zonender Erde eingreift, entwickelt sich eine ganze Tonleiter von Ver-hältnissen, die weder eine physikalische, noch eine historische genanntwerden kann, wol aber ein reiches Territorium der tellurischenGebiete der geographischen Wissenschaft ausmacht.
Wie aber mit den Formen des Flachlandes, der Thalstufen,der Gebirgszüge, eben so ist es mit denen der Sandwüsten, der