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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Ueber das historische Element

Steppenboden, der Ur-Waldrevicre, der Marschländer, der Sumps-landschasten und anderer mehr.

Wie mit den einzelnen Land- und McereStheilen, so mit gan-zen Continenten und Oceanen. Früherhin waren die Gestade,die Meere, die Oceane nur Hemmungen auf dem Planetenringe;nur die flüchtigsten Formen, die der Atmosphäre, überflogen sie.Die Metallschätze der verschiedenen Theile der Erdrinde, die Ve-getation, die Thierroelt, die Völkerwelt, alle nahmen erst späterhingänzlich veränderte Sphären ihrer räumlichen Verbreitungen ein;denn nur weniges wurde vorher willenlos, wie der Flugsand, dieKokosnuß, das Treibholz, die Eisscholle, oder die Seeblase, derSeetang, von den Strömungen der Winde und Oceane von Ge-stade zu Gestade gewälzt. Gegenwärtig scheiden die Meerenicht, wie ehedem, die Länder- und Erdtheile; sie sind es, welchedie Völker verbinden, ihre Schicksale verknüpfen, auf die be-quemste, selbst auf die sicherste Weise, seitdem die Schifffahrt zurvollkommensten Kunst herangereift ist, seitdem der schnellste undleichteste Transport durch die Beseelung der Bewegungen derflüssigen Elemente, welche bei weitem den größern Raum ('/z ge-gen auf dem Erdrund einnehmen, das Vcrknüpfungsmittelaller Kulturvölker geworden ist.

Der Fortschritt der oceanischen Schifffahrt hat sogar dieganze Stellung der Erdtheile, der Continente und aller Inselngegen die frühere Zeit zu einer andern wirklich gemacht.

Wie hätte sonst die vulkanische Klippe von St. Helena, Jahr-tausende hindurch wie nicht vorhanden, seit 3 Jahrhunderten alsMittelstation zu weiter Uebcrfahrt erst bekannt geworden, in demzweiten Jahrzehend des XZX. Jahrhunderts trotz ihrer oceanischenFerne in eine Nachbarinscl unsers Erdthcils verwandelt, unter diesorgfältige Hut der europäischen Mächte gestellt werden können?

Die Seefahrt von Europa zum Cap der guten Hoffnung, nachwelcher die portugiesische Marine, die erste des XV. Jahrhunderts,fast einhundert volle Jahre (von Don Henriquc el Navegador bisauf Barthol. Diaz und Vasco de Gama ) steuerte, bevor es er-reicht werden konnte, zu demselben Cap, ist bei der jetzigen ge-