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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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2t2 Ueber räumliche Anordnungen auf der Außenseite des Erdballs

diesen zunächst, vom Anfang an, auf die Herrschaft der Meereangewiesen.

In der einen Erdhalbe liegen alle Ländermassen vorherrschendvereint, in der andern Wafserhalbc zerstreut; in der einen dasUebermaaß des trocknen, in der andern des feuchten Elements.Auf dem großen Gürtel des Gestadelandes zwischen beiden, derden ganzen Erdball als größter Kreis in diagonaler Richtungzwischen Meridianen und Parallelen gegen N.O. und S.O. um-giebt, befindet sich dadurch die schmale, aber mannichfaltig gerän-derte und gegliederte Zone des Uebergangs von der einen zurandern Erdhalbe, und eben darum in ihr die Ausgleichung ihrerGegensätze, die sich überall in diesem Gestadegürtel unmittelbarschon in dem tagtäglichen Wechsel der Land- und See-Winde, wienoch in vielen andern Wechselverhältnissen ausspricht. Denn indiesen Ring des großen Gestadelandes der Erde, der die Nord-wie die Süd-Hemisphäre durchschneidet und gegen den äußernWasserkreis sich hinneigt, sällt die ganze Ostküste Afrika's , dieganze Süd- und Ostküste Asiens, die ganze Westküste Amerika's ,welche den Ring vollendet, der jedoch gegen den antarktischen Sü-den ungeschlossen bleibt, denn eben diesem Süden fehlen die Con-tinentalbildungen, und also kann daselbst auch kein Uebergangzwischen Land- und Seeflächen stattfinden, dem so viele Wechsel-verhältnisse der Meteore, der Feuchtigkeitsniederschläge, der Wind-richtungen, der Küstenströmungen und Flutbendirectionen ihr gere-geltes Dasein verdanken.

Es läßt fich nicht verkennen, daß schon in diesen für diePhysik des Erdganzen, wenn schon nur linearen, jedoch sehr viel-seitig sich durchkreuzenden grandiosen Anordnungen ein höheresGesetz vorwaltet für das Leben der Erde, als eine blos äußerlichfür das menschliche Auge symmetrische Ncgulirung darbietenwürde, daß also der scheinbar anfänglich fast sinneverwirrendeAnblick der willkührlichen Zerstücklung und Zerrissenheit der Ober-fläche der Planetenrinde seiner tiefern organischen Bedingungennicht entbehren wird, wenn auch zum Beispiel unsere noch zu un-vollkommenen Tiefenmessungen der Meere und unsere nur erst