Druckschrift 
Der Getreidehandel in der Provinz Posen / von Władysław Hedinger
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56

Lebensunterhalt verdient, er lebt nur vom Getreidehandel,der Genosse betreibt den Handel nicht als Selbstzweck.Sein Beruf ist die Landwirtschaft und der Handel geht ihnnur soweit an, als er durch ihn seine eigenen Produkteverkauft nnd seine eigenen landwirtschaftlichen Bedürfnissebefriedigt. Der Handel ist Nebenzweck. Deswegen gehörtauch der einzelne Genosse nicht zum Handelsstand, sondernnur die Genossenschaft, d. h. die Vereinigung, die deneinzelnen Genossen die Sorgen des Handels abnimmt.Hieraus erklärt es sich auch, dass die Genossenschaftenuntereinander nicht konkurrieren, wohl aber in Konkurrenztreten mit dem freien Handel.

Freilich bildet die Provinz Posen mit ihrem nationalenKampf hierin eine Ausnahme. Die aus nationalen Rück-sichten gegründeten Genossenschaften konkurrieren mit-einander, da die landwirtschaftliche Bevölkerung eben ausdiesem Grunde gegeneinander steht.

Die polnischen Genossenschaften gehören nicht demReichsverbande an und bilden eine selbständige Organisation;man unterscheidet in der Provinz Posen daher zwischenden polnischen und deutschen Genossenschaften. Siedifferieren nicht nur in der Nationalität ihrer Mitgliedersondern auch in ihrer inneren Organisation, deren Schilderungwir uns zuwenden.

a) Die polnischen Ein- und Ver-kaufsgenossenschaften.

Ueber den Zweck und die Aufgaben derRolniks ,so heissen die polnischen Ein- und Verkaufsgenossenschaftenmit Firmennahmen (rolnik heisst auf deutsch Landwirt)äussert sich ihr Begründer und geistiger Führer, der PrälatWawrzyniak, in einer Broschüre, wie folgt:

Die Idee, welche zur Gründung von Ein- und Verkaufs-Genossenschaften führe, sei die Selbsthilfe und zwar sollendie Bauern sich zusammentun, zwecks genossenschaftlichenEin- und Verkaufs ihrer Produkte.

Es komme manchmal vor, dass der Bauer bei derBefriedigung seiner Bedürfnisse dem Wucher zum Opfer