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Der Getreidehandel in der Provinz Posen / von Władysław Hedinger
Entstehung
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falle, indem bei Getreide, Dünge- oder Futtermitteln oderbei andern Artikeln durch Preis und minderwertige Qualitätin seinem Erwerbslohn geschmälert werde. Dagegen solleman ankämpfen dort, wo es not tue, durch Gründung vonGenossenschaften unter der Firma Rolnik, nicht, um demehrenwerten Kaufmann zu schaden, sondern um unsernLandwirt in Schutz zu nehmen, von dessen Wohlergehender allgemeine Wohlstand abhängig sei.Ich gebe offenzu, dass ich es lieber gesehen hätte, dass diese Angelegen-heit ehrenwerte, selbständige Kaufleute selbst geregelt hättenund nicht Genossenschaften und ich stelle mir die Sacheso vor, dass dort, wo die Genossenschaft die Sache insrichtige Geleise geführt hat, die Genossenschaft ihre Auf-gabe als erfüllt ansehen und sich auflösen und dass sie dasGeschäft dem entsprechenden selbständigen Kaufmann über-geben wird, welcher die Garantie geben wird für Preis undvor allem für die Qualität der Ware u. s. w..

DieRolnik s sollen also den Wucher im Handelmit Getreide u. a. landwirtschaftlichen Produkten bekämpfen. *

Demgemäss ist auch das Verhältniss zum Grossgrund-besitzer. Für ihn sei der Rolnik nicht. Als wirtschaftlichstärkerer kann er sich allein seiner Haut erwehren. DieGrossgrundbesitzer sollten nur als Aufsichtsratsmitgliederu. s. w. ihren jüngeren Brüdern mit Rat und Tat helfen.Die Rolniks seien vor allem nur für die Bauern da. Imspeziellen wendet sich dann das Schriftchen gegen irrigeAnsichten, nicht gegen die Getreidehändler, sondern nurgegen die Blutsauger würden die Rolniks gegründet.

Der Rolnik sei nicht dazu da, um beim Einkauf diehöchsten Preise zu zahlen und beim Verkauf das billigsteAngebot zu machen. Er soll nur ein reelles Geschäft seinmit erzieherischer Wirkung, dass sich die Bauern das un-vernünftige Kreditnehmen abgewöhnen.

Aber auch gegen das Gegenteil wendet sich der Be-gründer. Die Bauern sollten nicht aus Liebe zu ihrerGenossenschaft ihr alles selbst zu schlechteren Preisenliefern oder abkaufen. Im Gegenteil der Bauer solle daverkaufen, wo er in Wirklichkeit preiswerter bedient

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