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Der Getreidehandel in der Provinz Posen / von Władysław Hedinger
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eine neuzeitliche Grossmühlenindustrie angesiedelt (cfr. Zahlder Arbeiter in Tabelle XI, Spalte 9). Diese mit denneuesten technischen Maschinen ausgestattete Miihlenindustriehat es trotz des relativen Niedergangs der übrigen Klein-industrie dazu gebracht, dass die Provinz Posen in steigendemMasse ihr Produkt in verarbeitetem Zustand zum Versandbringt (cfr. Abschnitt V). Diesem Aufschwung der südlichenMühlenindustrie entspricht nicht die Entwickelung der grossenMühlen in Norden besonders in Bromberg (Seehandlungs-miihlen 1 ). Trotzdem wird auch bis in die letzen Jahre dergrössere Teil des mehrproduzierten Getreides in rohemZustande aus der Provinz verschickt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass nur dieBehörden ihr Verhältnis zu dem freien Getreidehandelgeändert haben, nicht die Mühlen; da diese aber mehr insGewicht fallen, so hat die Aenderung des Verhältnisseszwischen Konsumenten und Getreidehandel keine ausschlag-gebende Bedeutung.

c) Die Aenderung des Verhältnisseszum Produzenten.

Anders hat sich das Verhältnis zwischen Produ-zenten und Getreidehandel entwickelt. Das Gros derLaidwirte ist fest überzeugt von der Erhabenheit ihresauserlesenen Berufes, wähnt sich allein als die einzigpoduktive Schicht und erblickt in dem Getreidehandel einenunproduktiven, nur von ihrer Hände Arbeit genährten Beruf.Heraus ist eine tiefe Abneigung gegen den Getreidehandelentstanden. Der Landwirt pflegt die Beziehungen mit demTandel nur weil er sie pflegen muss, er muss es aber,weil er Kredit braucht und weil er seine Produkte absetzenwill. Je mehr die Landwirte finanziell unabhängig werden,desto krasser kommt ihr Widerwille gegen den Getreide-handel zum Vorschein., Dies zeigte sich in den letzen Jahr-zehnten, wo Dank den durch die Schutzzollpolitik unddurch die Ansiedlungspolitik in die Provinz geflossenen

') Den Grund hierfür erklärt der Handelskammerbericht,Bromberg 1894.