119
Kornhäuser hat bewiesen, dass man den Getreidehandeldurch Genossenschaften nicht ersetzen kann. Die Genossen-schaften können den kleinen Händler ersetzen, sie könnendie Produzenten vor Ausbeute schützen und sie erziehen,ihre Ware marktgängig zu gestalten, sie werden aber nichtan die Stelle des Getreidehandels in seiner höherenOrganisation treten. Freilich werden in der Provinz Posen infolge der Tätigkeit der Ansiedlungs-Kommission und in-folge der durch den nationalen Kampf für den Genossen-schaftsgedanken fruchtbaren Bodens die Genossenschafteneine grössere Entwicklung aufweisen als anderswo, dochdem Glauben an einen allbezwingenden Sieg der Genossen-schaften, speziell im Getreidehandel, kann ich mich nichtanschliessen. In diesem Sinne hat auch der Prälat Wawrzyniak,der Begründer der „Rolnik’s “ (der polnischen Ein- undVerkaufsvereine) den Weg gewiesen, indem er daraufdrängte, dass dem Getreidehandel obliegende Genossen-schaften, die den Wucher in ihrem Bereich ausgerottethaben, sich auflösen und die Fortführung des Getreide-handels einem Vertrauensmann als einzelnen Privatkaufmannüberlassen sollten. Sein Gedanke war, man solle imGetreidehandel mit Hilfe der Genossenschaft den (polnischen)freien Getreidehandel schaffen.
Dieser Abschnitt hat die Entwicklung des Getreide,handeis an der Hand der Zahlen der statistischen Betriebs-zählung gezeigt und diese Entwicklung mit der Aenderungdes Verhältnisses vom Getreidehandel zum Konsumentenund Produzenten zu erklären versucht.
Damit werden die Verhältnisse im Posener Getreide-handel nicht erschöpft. Ausser den aus dem Getreidehandelselbst entspringenden, gibt es noch andere Ursachen, diesozusagen von aussen her auf den Getreidehandel einwirken.
Da ist neben der Entwicklung der Verkehrsmittel vorallem die Handels- und Zollpolitik des Deutschen Reichesund die mit ihr eng verbundene preussische Eisenbahntarif-politik zu nennen.