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Der Getreidehandel in der Provinz Posen / von Władysław Hedinger
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Die Endergebnisse weisen eine sehr grosse Steigerungdes Mehrversandes an Gerste auf. Während der Mehrver-sand in der Periode von 1894 durchschnittlich 12 862 To.betrug, stieg er auf 48 895 To. in der Periode 18941906und beziffert sich seit 1906 auf 76 174 To.

Diese Steigerung des Mehrversandes ging zur Hälfteauf den Wasserwegen vor sich, man kann deswegen denBestimmungsort nicht genau angeben. In der Hauptsachewar es in den letzten Jahren, wie von privater Seite mirmitgeteilt worden ist, die Rheingegend, wohin die Gersteauf dem Umwege über die See abgesetzt worden ist.

Auch der Absatz nach den West- und Ostpreussischen Häfen weist auf eine steigende Ausfuhr über den Seeweghin. Dagegen ging infolge der eingetretenen Differen-zierung von 1906 der Versand nach den Pommerschen Häfenstark zurück.

Im übrigen zeigen die Angaben, dass die Ausnahme-tarife in Bezug auf die Gerste ihre Wirkung nicht ausgeübthaben (mit Ausnahme von Kgr. Sachsen in der Periodevon 18941906, wo der Mehrversand um ca. 25% im Ver-hältnis vor 1894 gefallen ist). Im Uebrigen hat sich diePosener Gerste ihren Absatz nach den bisherigen westlichenwie südlichen Landesteilen nicht nur zu wahren, sondernauch entsprechend den Ernteerträgen zu vermehren ver-standen.

Die Zufuhren aus Russisch-Polen (in letzter Zeit fastausnahmslos Futtergerste) steigen vornehmlich in der letztenPeriode, zumal da man die erst seit 1906 in der Statistikgesonderte Einfuhr aus Westpreussen als aus Polen kommendansehen kann.

So zeigt die Gerste e contrario, das die Hauptursacheder geänderten Absatzrichtung für Weizen, Roggen undHafer vornehmlich in der Aufhebung des Identitätsnach-weises zu suchen ist. Trotzdem die Ausnahmetarife fürGerste ebenso Geltung hatten, wie für die anderen Getreide-arten, haben sie den durch die Zollbehandlung entstandenenUnterschied nicht überwinden können. Die Malzgerste istin dem Gebiet des Deutschen Reiches verblieben.