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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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ABREISE NACH KRACH

den Gatten meiner Stieftochter, der Gräfin Eugenie Dönhoff.On m'a dit",meinte der König,que vous destinez Wallwitz ä une ambassade. Si teletait le cas, je ne voudrais pas entraver la carriere de ce diplomate tresdistingue. Mais personnellement je serais heureux de garder le comte Wall-witz ä Bruxelles, il jouit de beaucoup de consideration et de la confiancegenerale." Ich erwiderte, daß ich nicht die Absicht hätte, den Grafen Wall-witz Seiner Majestät dem Kaiser schon jetzt für eine Botschaft vorzu-schlagen, und daß er bis auf weiteres in Brüssel bleiben werde, was denKönig sichtlich erfreute. Über die flämische Bewegung äußerte der König,daß sie an Boden gewönne, selbstverständlich im Rahmen des belgischenStaates und in voller Treue für das Flamen und Wallonen gemeinsameVaterland. Die Flamen wären ebensogute Belgier wie die Wallonen. Ihrberechtigtes Streben, ihre reiche und schöne Sprache zu pflegen und ihrekulturelle Eigenart zu erhalten, würde auch bei den Wallonen um so mehrVerständnis finden, je weniger sich die deutsche Presse um die flämischeBewegung kümmere.

Der hohe Herr wollte auch meine Frau begrüßen, der er gleichfallsin high terms von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn sprach, undüberreichte mir schließlich eine prächtige Tabatiere mit seinem vonBrillanten umgebenen Porträt. Die Tabatiere steht noch auf einerEtagere der Villa Malta , neben den Büsten des Königs Eduard und derKönigin Alexandra von England, einem Bilde der Königin Alexandra mitihrem Enkel, dem jetzigen Prinzen von Wales , auf dem Arm, zwei Porträtsdes Zaren, den Bildern der Großfürstin Maria Paulowna, der Königin Olgavon Griechenland , des Königs und der Königin von Rumänien, der Kai-serin von China und vieler anderer Fürstlichkeiten. Als mich währenddes Winters 1914 auf 1915, wo ich mich, von Berlin alles eher denn loyalunterstützt, von Wien beständig konterkariert, in Rom bemühte, demAusbruch des Krieges zwischen Italien und den Zentralmächten vorzu-beugen, ein geistreicher deutscher Freund in der Villa Malta besuchteund jene Erinnerungen einer glücklicheren Vergangenheit erblickte, meinteer:Ich finde Sie umgeben von den Trümmern der Bethmann Hollweg-schen Politik."

Als jene wehmütige Äußerung fiel, im Januar 1915, war mehr als einJahrzehnt verflossen seit dem Besuch, den König Leopold II. der Reichs-hauptstadt abgestattet hatte. Die ersten Tage jenes Besuchs waren damalsin voller Harmonie vorübergegangen. Es kam der letzte Tag, der 28. Januar1904, an dem der König abreisen wollte. Die Abendtafel war zu 8 Uhr ange-sagt,' die Abreise sollte unmittelbar nachher erfolgen. Alle Eingeladenenwaren erschienen, auch die Kaiserin war schon lange da, nur der Kaiser undsein belgischer Gast fehlten. Endlich traten beide ein. Mir fiel sogleich der