20
der Sohn eines ansässigen Tagearbeiters fast nie Landarbeiterbleibt, dafs gerade die intelligenteren Kinder der fleifsigen unddadurch besser situirten Arbeiter höchstens bis zur Militär-zeit im Berufe der Eltern ausharren, um dann in den Städten,im Bahn- und Postdienst ihr Brot zu suchen. Auch die durchdas Anerbenrecht vom Landbesitz ausgeschlossenen Kinderbleiben nur zum geringen Tlieil der Landwirtschaft erhalten.Aber immerhin vermehrte die Ansiedlung von Bauern da, wobis dahin nur Grofsgrundbesitz war, naturgemäfs die Zahl derEinwohner, so dafs, während die Bevölkerung von ganzMecklenburg-Schwerin von 1867—1890 um 3,15 pCt. zunahm,die Bevölkerung auf dem landesherrlichen Domanium wenigstensnur um 1,7 pCt. abnahm, während sie da, wo man keineBauern angesiedelt hatte, auf dem Lande der Ritterschaft, um1-ipCt. abnahm.
Diese Verringerung in der Bevölkerungsabnahme auf demlandesherrlichen Domanium in Mecklenburg wurde von denAnhängern der Wiedereinführung der Erbpacht als eine Be-stätigung ihrer Hoffnungen angesehen. Es mehrten sich nundie Stimmen, welche die Beseitigung der gesetzlichen Bestim-mung vom 2. März 1850 verlangten, durch welche in Preufsendie Vererbpachtung für die Zukunft verboten worden war.Die Regierung wollte indefs diesen Anträgen noch nicht Folgegeben.
Von da an gerieth die Bewegung, durch Zerschlagen vonStaatsdomänen einen neuen Bauernstand zu schaffen, insStocken. Aber es ist äufserst bemerkenswert]!, dafs zu der-selben Zeit, da der theihveise Mifserfolg der staatlichen Koloni-sation in Neuvorpommern die Regierungskreise entmuthigte,die Spekulation in einem anderen Tlieile von Pommern , imKreise Kolberg-Köslin , das zu Wege brachte, was den staat-lichen Beamten versagt geblieben war. Seit Ende der sieben-ziger Jahre bis Ende 1891 sind dort 11 grofse Güter und einBauernhof von -einem Kolberger Geschäftsmann zerschlagenworden 14 ). Der Mann ist ein Güterschlächter, aber ein ehr-
14 ) Siehe Sering, Innere Kolonisation, S. 199 ff.