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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die altjüdischen Wirtschaftsverhältnisse. 73

dem Betrüge ergeben 1 ). Aus solchem Handel dürfte auchin Judäa der Reichtum jener Geldbesitzer gestammt haben,über welche kurze Zeit darauf Jesaia 2 ) und Micha 3 )Wehe rufen, weil sie Häuser und Äcker zusammenkaufen.

Aber trotz des Triumphgesangs, den Ezechiel 4 ) dieStadt Tyrus über den Fall Jerusalems als einer Handels-rivalin anstimmen läßt der Triumph scheint sich nachdem Wortlaut lediglich auf den Wegfall eines Stapelrechtsbezogen zu haben, das Jerusalem gegenüber den durch- undvorüberziehenden Kaufleuten in Anspruch genommen zuhaben scheint war all der Handel, den die Juden vordem Exil trieben, nicht geeignet, ihnen den Charakter einesHandel treibenden Volkes zu geben* Wenn Ezechiel 5 ) unterden Völkerschaften, welche mit Tyrus Handel getriebenhaben, Juda auch ausdrücklich anführt, so handelt es sichbei dessen Handel doch nur um den Verkauf seiner eigenenErzeugnisse nach Tyrus .

So hat denn in Palästina die große Masse der Is-raeliten aus kleinen Bauern bestanden,die im Schweißeihres Angesichts ihre Felder pflügten und ihr Öl preßten 6 ).Das hat sich gegen Ende der Selbständigkeit des jüdischenReichs geändert. Zahlreiche Bibelstellen aus dieser Zeitlassen auf wachsende Handelstätigkeit schließen. Bis dahinwaren, wie bei allen Völkern, bevor sie vom Handel be-rührt worden sind, Autorität und Herkommen in der Re-gelung der inneren Beziehungen der Israeliten maßgebend

1) Sombart a. a. O. S. 152 ff. sieht im Betrügen beim Handeleinen spezifisch jüdischen Zug, verschweigt aber, daß das gleichevon Phönikern und Griechen, überhaupt von allen Kaufleutender Völker, die eben erst in den Handel eintreten, berichtet wird.Vgl. auch über die Japaner. Wilhelm Joest, Aus Japan nachDeutschland durch Sibirien, 2. A., Köln 1887, S. 222.

2) Jesaia 5, 8. 3) Micha 2, 1.

4) Ezechiel 26, 2:Ha! sie ist zerschmettert; die Tür

zu den Völkern hat sich mir zugewandt. Vgl. Kautzsch, DieHeilige Schrift d. Alten Testaments, 3. A. I, Tübingen 1909, S. 892Anmerkung.

5) Ezechiel 27, 17.

6) Mommsen, Röm. Gesch., V. 5. A., S. 487.