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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
Entstehung
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§ 7 .

Die byzantinische Volkswirtschaft.

Das Land, von dem die Wiederbelebung des Kapitalis-mus im Abendland ausgegangen ist, ist Italien gewesen.

Das römische Reich war in zwei Hälften zerfallen. Inder Westhälfte bildete Italien den Mittelpunkt. Sein Reich-tum hatte, wie wir gesehen haben, auf Krieg und Aus-beutung beruht. Daher sein Verfall, als es keine reichenVölker und Provinzen zum Plündern mehr gab, und inRückwirkung seines Verfalls und des Eindringens der Bar-baren waren auch die reichen römischen Provinzen imWesten, Spanien, Gallien und die beiden Germanien verarmt.

Anders stand es mit der Osthälfte des Römerreichs.Wir haben gesehen, welch glänzende Entfaltung ihrer Volks-wirtschaft unter den Nachfolgern Alexander des Großenstattgefunden hat. Altgriechenland allerdings ist unter derKonkurrenz der in Mazedonien, Kleinasien, Syrien, Ägypten aufblühenden Reiche ganz heruntergekommen. Um so glän-zender war die Handels- und Industrieblüte in diesen. Unddiese Reiche waren hellenistische Reiche, von Griechen be-siedelt und mit griechischem Geiste durchtränkt. Ich habeihre wirtschaftliche Blüte am Schlüsse meiner Schilderungder griechischen Wirtschaftsentwicklung vorgeführt.

Als dann die Römer die Herrschaft über die durchaushellenisierten östlichen Mittelmeerländer antraten, haben siedaran nichts geändert. Ihr Streben war nicht dahingegangen,den Osten römisch zu machen, sondern sich selbst zu helle-nisieren. So schritt in den östlichen Gebieten, die sie sichunterwarfen, die Entwicklung weiter auf der einmal be-tretenen Bahn. Wo sie bergab ging, kein neues Aufblühen;wo sie im Aufsteigen war, weiteres Fortschreiten.