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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Wirtschaft der Provinzen nördlich der Alpen .

Konstatin heißt es in dem Panegyrikus des Eumenes 1 ),er habe Tränen vergossen, da er die früher blühenden, nunverödeten Felder erblickt habe. Ebenso suchen in der Stadtdie Gewerbetreibenden dem Kollegium, die Kurialen demStadtdienst zu entfliehen. Die Steuer, welche die Zünftetragen sollen, wächst, der Verdienst nimmt ab, die Einzelnenwerden unfähig, ihre Steuerquote zu tragen. Ebenso istsmit dem Stadtdienst der Decuriones. Aus der Selbstver-waltung ist eine Zwangsanstalt geworden, aus dem Rechteines Jeden ist eine Pflicht geworden, unfreiwillig fürAndere zu fronden, aus dem freien Berufe ein Erbgefängnis,dem Jeder zu entfliehen sucht. Das Leben hat alle Lebens-freudigkeit verloren. Eine stumpfe Gleichgültigkeit scheintdie Bevölkerung ergriffen zu haben. Es fehlte dem Ein-zelnen jede Aussicht, jede Hoffnung auf eine bessere Zu-kunft. So erklärt es sich denn, wenn wir bei Salvian lesen,daß die Reichen einer Stadt bei einem Festgelage saßen,als ihnen gemeldet wurde, die Barbaren drängen ein in dieStadt; die Nachricht läßt sie vollkommen eindruckslos; eswird fortgetafelt.

1) Eumen, Paneg. in Constant. Kap. 21 Collection desHistor. de France I, 714 c.