Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.
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kehrs; ganz Latium wurde zu einem einheitlichen Wirt-schaftsgebiet, seine Wirtschaften zu einer Volkswirtschaft.Rom wurde aus einer regsamen Handels- und Landstadtder mächtige Mittelpunkt einer blühenden Landschaft 1 ).
Roms Handel war zuerst italischer Binnenhandel.Neben den gewöhnlichen Wochenmärkten (nundinae) findensich in sehr früher Zeit in Latium Messen (mercatus). Siefanden statt in Verbindung mit religiösen Festen 2 ). Die be-deutendste unter allen italischen Messen war die, welcheam Soracte im Hain der Feronia abgehalten ward in einerLage, wie sie nicht günstiger sein konnte für den Verkehrunter Römern, Etruskern und Sabinern. Der Handel warTauschhandel, das älteste Tauschmittel waren Rinder undSchafe, so daß auf ein Rind zehn Schafe gingen. Danebenkam als Tauschmittel das Kupfer (aes) auf, dessen manauch zur Ackerbestellung und Rüstung bedurfte 3 ).
An der Westküste, wo in Campanien Griechen undItaliker friedlich nebeneinander wohnten, in Latium und nochmehr in Etrurien, trieb man frühzeitig auch Handel überSee .Er ist älter als die Entstehung des Goldschmiedgewerbes,wie die Gräberfunde beweisen, und sicher kaufte manlängere Zeit auch andere fremde Manufakte, bevor mandaran ging, sie nachzuahmen. Im ganzen leidet es keinenZweifel, daß die ganze italische Westküste in ältester ZeitMetallwaren aus dem Osten bezogen hat 4 ). Die römischePlastik in Ton und Metall hat in sehr früher Zeit durchgriechischen Einfluß eine mächtige Anregung empfangen,d. h. die ältesten Werkzeuge und die ältesten Muster sindaus Griechenland nach Italien gekommen. Desgleichenkamen Luxuswaren aus dem Orient, aus Phönikien undÄgypten 5 ). Den Handelsgott, den Merkur, haben die Römervon den Griechen entlehnt. Als Gegengabe für das Einge-führte hatte Italien nichts zu bieten als seine Rohprodukte,als vor allen Dingen Kupfer, Silber, Eisen, dann Sklaven,
1) Mommsen, a. a. O. 105.
2) Ebenda 192. 3) Ebenda 193.
4) Ebenda 194. 5) Ebenda 195, 196.