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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die Entwicklung der römischen Volkswirtschaft.

Seelen ergreift die auri sacra fames, denn mit Geld läßtsich nun alles erwerben. Land, politischer Einfluß, Macht 1 ).Daher die Klage in der ersten Epistel des Horaz:

O Mitbürger! Zuerst sucht Geld zu erwerben, die TugendFolget dem Geld; so tönt es laut vom ersten zum letztenJanus; frisch sonach singet den Spruch so Alte, wie JungeImmer zum Rechnen bereit, Zahltafel und Kapsel am Arme.

Und ebenso heißt es in seinen Satiren 2 ) und Oden 3 ),ebenso in den Elegien des Properz 4 ), in den Fasten desOvid 5 ), in den Satiren des Juvenal 6 ). Cicero erzählt vonden trefflichen Männern, die unter den Bogen auf demMarkt, der Börse, sitzen und über die Methode, Geld zuerwerben und anzulegen, besser disputieren, als irgend-welche Philosophen. Plinius 7 ) meint, in Rom blühe nureine Kunst, die Habsucht; er klagt: „Seitdem man nureinen Genuß kennt, möglichst viel zu besitzen, ist Alles, wasdas Leben ziert, ehrlos geworden; und wie der Tugend be-gegnet man auch allen Künsten mit Verachtung, und nurmit knechtischer Gesinnung kann man emporkommen. „Pe-tronius 8 ) führt den Verfall der Kunst auf die Liebe zumReichtum zurück. Dann fährt er fort: „Wer tritt heute ineinen Tempel, wer legt heute ein Gelübde ab, um die Bered-

1) Vgl. Gaius Sallustius Crispus, Catilina, 12. Jugurtha8, 20, 35, 41.

2) Q. Horatii Flacci Satirarum 1, I, ... Nil satis est, inquit,quia tanti, quantum habeas, sis.

3) Carmina III, 16, 9: Aurum per medios ire satellites,

Et perrumpere amat saxa potentiusIctu fulmineo.

4) S. Aurelii Propertii elegiarum 1., III, 13, 48:

Aurum omnes victa jam pietate solunt.

Auro pulsa fides, auro venalia jura,

Aurum lex sequitur, mox sine lege pudor.

5) P. Ovidii Nasonis Fastorum, lib. I, 217:

In pretio pretium nunc est: dat census honores,Census amicitias: pauper ubique jacet.

6) D. Junii Juvenalis Satirae I, 112 et sequ.

7) Historia Naturalis XIV, 1.

8) Satyrikon LXXXVIII.