183
väter gegen diese Gewinnsucht hat ihr keine Schranken ge-zogen. Es sind ihr vielmehr auch die Häupter der Kircheverfallen, und nicht zum mindesten in den römischen Pro-vinzen nördlich der Alpen .
Wir haben nun die Grundlage der wirtschaftlichenBlüte der Provinzen Gallien und Germanien kennen gelernt.Hand in Hand mit der wirtschaftlichen ging die Blüte inanderen Zweigen der Kultur. Gallien war damals das ge-lobte Land des Lehrens und Lernens. Noch heute zeigendie römischen Ruinen von Arles bis Trier , welch hoheBlüte auch die Kunst erreicht hat.
Allein diese Kulturblüten des wirtschaftlichen Wohl-stands sind in den letzten zwei Jahrhunderten des west-römischen Reiches nur mehr und mehr schwindende Resteeiner schönen Vergangenheit. Und zwar haben wir dieseReste nur bei den damals herrschenden Gesellschaftsklassen,bei den gallo-römischen Latifundienbesitzern, den weltlichenwie den geistlichen, zu suchen. Im allgemeinen ein rapidesFortschreiten der Auflösung.
Die Römer hatten als ein kriegerisches Bauernvolk an-gefangen. Ihre kriegerischen Erfolge haben seit Beendigungder punischen Kriege zur außerordentlichen Bereicherungder herrschenden Klasse, zu deren Kapitalansammlung undzur Verdrängung des kleinen Mannes aus seinem Besitztumund damit zur Entstehung riesiger Latifundien geführt.Vom kapitalistischen Geist, von dem ganz Rom schon vorEnde der Republik erfüllt war, habe ich schon gesprochen;aber er hat sich nur in Wucher, und Handel, in großenUnternehmungen zur Ausführung der der unmittelbaren Be-dürfnisbefriedigung dienenden Staatsarbeiten und in Speku-lationen aller Art betätigt. Gewerbebetriebe im Großenfinden sich in Italien nur als Nebenbetrieb auf den Lati-fundien. Die erworbenen Reichtümer wurden in Landbesitzangelegt, da nur dieser öffentlichen Einfluß gab und damitdie Möglichkeit, sich durch weitere Erpressungen und sonstauf Kosten des Ganzen zu bereichern. Die Mehrheit desrömischen Volks aber wurde zu Proletariern, die ausöffentlichen Mitteln erhalten werden mußten, um Umsturz-