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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die byzantinische Volkswirtschaft.

Fruchtbarkeit seines Gebiets, der einträglichen Thun-fischerei, der ungemein günstigen Handelslage, seines Ge-werbfleißes und der durch die exponierte Lage gesteigertenund gestählten Tüchtigkeit seiner Bürger * 4 ). Thrakien selbstwar reich. Seine Erzeugnisse, Getreide, Wein, Silber, Gold,Rosen und Rosenöl, machten eine dichte Bevölkerung wohl-habend 2 ). Gefährdeter war das Leben der griechischen An-siedlungen bis hin nach Panticapäum, dem heutigen Kertsch ,in der Krim 3 ). Vor den Toren der Städte hausten räuberi-sche Barbaren; nur weil diese den auswärtigen Handelweder selbst zu führen noch zu entbehren vermochten,konnten die hellenischen Küstenstädte überhaupt fortbe-stehen; die Barbaren kauften in ihnen Salz, Kleidungs-stücke, Wein, und die zivilisierten Fürsten schützten einiger-maßen die Fremden gegen die Angriffe der eigentlichenWilden. Die wohlhabenden, dort wohnenden Kaufleutehielten begreiflicherweise stets an Rom . Für das Reichaber ist der Handel und Verkehr dieses nordischen Griechen-lands stets wertvoll geblieben; in der augusteischen Zeitbrachten die Stämme der Steppe Sklaven und Felle, dieGriechen Kleidungsstücke, Wein und andere Luxusartikel 4 ).

Aber die Bedeutung dieses nordischen Griechenlands stand weit zurück hinter der der hellenisierten Teilevon Asien und Afrika . Die hellenistische Auswanderunghatte sich nirgendhin in so breitem Strome ergossen, wieüber die Inseln im Ägäischen Meere und die Küste Vorder-asiens. Alexander hatte dann auch das Binnenland denHellenen erschlossen. Und unter den Römern war Klein-asien, insbesondere Vorderasien, eines der reich-sten Gebiete ihres großen Reichs 5 ). Sein Wohlstand be-ruhte ebenso auf der Bodenkultur, wie auf Industrie undHandel. Besonders die Küstenlandschaften waren von derNatur begünstigt. Die ungeheuren Triften des Binnenlandsmit ihren Schaf- und Ziegenherden machten Kleinasien zum

1) Morn ms en, a. a. O. S. 280. 2) Ebenda S. 282.

3) Ebenda S. 284 ff. 4) Ebenda S. 293 ff.

5) Ebenda S. 329.