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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

land datierten die Anfänge des Eindringens desKapitalismus in das Heerwesen schon aus der Zeitvor den Kreuzzügen. Ich denke dabei nicht an dasschon erwähnte Söldnerheer, mit dem Karl Martell die Sarazenen schlug; denn das war eine vorüber-

Adam Bremensis, Gesta Hammaburgensis eccles. pontificumIII, 12, 16 in Pertz, mon. germ. bist. IX, 339; Annalista S a x obei Pertz VIII, 695). Eine süditalienische Chronik beschreibtim Jahre 1002 die Elemente des Heers, das unweit Baris ver-einigt ward:es bestand aus Russen, Warägern, Türken, Bulgaren ,Walachen, Makedoniern und anderem Volke (Pertz, V, 53unten). Die Tapferkeit dieser Truppen war groß. Sie betrachtetenden Krieg als einen freudigen Lebensberuf. Indes doch nur, so-lange der Sold regelmäßig einging und es an Beute nicht fehlte.Ihre Treue währte nur solange wie ihre Bezahlung. Blieb dieseaus, so gingen sie zum Feinde über (vgl. Prokop, PersischerKrieg II, 7; H, 17; Gothischer Krieg IH, 1; III, 5 i. f. III, 6;III, 20; HI, 30). Außerdem gab es noch in den Grenzgebietenseit den ersten Zeiten des römischen Kaiserreichs Grenzsoldaten.Diesen hatte man die Beschützung der Grenzen gegen Verleihungvon Ländereien zur Pflicht gemacht, und ähnlich gab es auf denInseln Schifier, denen gegen die Verpflichtung, auf der Flotte zurudern, Land verliehen ward. Sie bildeten eine Art Reserve, dieman im Notfall heranziehen konnte. Abgesehen davon gab eskeine innerhalb des Reichs ausgehobenen Mannschaften, abgesehenvon Resten alter römischer Regimenter, die unter den BauernIllyriens, Thrakiens , der Bergbevölkerung Isauriens, Pisidiens,Lykäoniens rekrutiert wurden; aber sie waren schlecht bewaffnet,nicht eingeübt, militärisch wertlos. Nicht bloß die Krieger desAbendlands, sondern auch der Jude Benjamin von Tudela , derum das Jahr 1170 Konstantinopel besuchte, schreibt über dieGriechen:Sie mieten von allen Nationen Krieger, Barbaren ge-nannt, um gegen' den Sultan Masud, den König der Seldschuken,die Türken genannt werden, zu kämpfen; denn die Eingeborenensind nicht kriegerisch, sondern wie Weiber, die keine Kräfte zumkämpfen haben. (The itinary of Benjamin of Tudela by M. N. Adler,London 1907, p. 13.) Vgl. auch Ch. Diehl, Justinien et lacivilisation byzantine au VI mo siede, Paris 1901, p. 146, undEtudes Byzantines, Paris 1905, p. 126. Gfrörer, ByzantinischeGeschichten HI, 113, 167.