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auch da der Mann für sie einstehen muß, wo ihrEigenes zur Deckung ihrer Bedürfnisse nicht ausreicht.Also selbst heute ist noch nicht jeder einzelne Menscheine Wirtschaftseinheit! Wohl aber können vielePersonen zusammen eine Wirtschaftseinbeit bilden; eskommt nur darauf an, daß die Tätigkeit, die auf dieBefriedigung ihrer Bedürfnisse gerichtet ist, für ge-meinsame Rechnung stattfinde, und daß die Ergebnissedieser Tätigkeit den einzelnen zur Wirtschaft gehörigenPersonen nicht nach Maßgabe ihrer Leistungen, sondernnach Maßgabe ihrer von den übrigen als berechtigtanerkannten Bedürfnisse zugute komme, daß also einjeder der Mehreren mit allen seinen wirtschaftlichenLeistungen für die berechtigten Bedürfnisse einesjeden hafte.
Also was die Wirtschaftseinheit kennzeichnet, istEinheit der wirtschaftlichen Tätigkeit, des Er-werbes, des Bedürfens, dem dieser Erwerb dient, desBesitzes, der Haftung. Wo und insoweit solche Ein-heit sich findet, bilden nicht nur viele Individuen,sondern auch viele Einzelfamilien, ja viele Geschlechteroder Sippen und eine Vielheit von Stämmen zusammeneine Wirtschaftseinheit.
Die ursprüngliche Wirtschaftseinheit ist die so-genannte Großfamilie gewesen 1 ). Darunter'verstehtman alle einer und derselben Hausgewalt unter-worfenen Personen, die Hausgemeinschaft. Der An-nahme nach besteht sie aus Blutsverwandten. Dochgehörten dazu auch Personen fremder Abstammung,die, sei es als Freie, sei es als Unfreie, in die Haus-
*) Ich gehe liier nicht mehr auf die Lehre derjenigen ein,welche den Anfang der Gesellschaft statt in der Familie in derHorde erblicken. Mit ihr habe ich mich in der Zeitschrift fürSozial- und Wirtschaftsgeschichte, I, 102fb, auseinandergesetzt.