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Über den vierten Kreuzzug
Geschichtsschreiber des vierten Kreuzzuges, „konntendie, welche es noch nicht gesehen hatten, nicht fassen,daß es in der ganzen Welt eine so reiche Stadt gebenkönnte wie diese mit ihren hohen Mauern, ihren Riesen-türmen, mit ihren prachtvollen Palästen und ihrer un-glaublich großen Zahl herrlicher Kirchen, mit einerLänge und Breite, die sie zur Fürstin unter allenStädten machte“. Als • sie aber die Stadt eroberthatten und sich der Schätze bemächtigten, deren Traumseit Jahrhunderten ihre gierige Seele erfüllt hatte,nahm ihr Wundern nicht ab. „Die Beute“, schreibtderselbe Villehardouin J ), „war so groß, daß man sienicht zählen konnte; Gold, Silber und Edelsteine,goldene und silberne Gefäße, seidene Gewänder undPelzwerk, und was es sonst Schönes auf dieser Erdegibt. Sie wurde zu gleichen Hälften zwischen Kreuz-fahrern und Venezianern geteilt. Dann zahlten dieersteren aus ihrem Anteile den Rest dessen, was sieihnen noch für die Überfahrt schuldeten, nämlich50000 Mark Silber * 2 ). Hierauf schritt man zur Kaiser-wahl. Zunächst dachten die Sieger, Dandolo zumKaiser zu machen. Doch dieser lehnte die Ehre ab.Graf Balduin von Flandern wurde zum Kaiser ge-wählt. Er erhielt Konstantinopel und das angrenzendeGebiet. Der Graf von Montferrat erhielt das König-reich Saloniki und andere Teile des griechischen Reichs.Die Venezianer erhielten drei Achtel desselben 3 ) undkauften dem Markgrafen die diesem zugefallene InselKreta , sowie andere Besitzungen, welche dieser vom