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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Über den vierten Kreuzzug

Familienbesitztum zu erobern. Sie gingen nacbVenedig,mieteten sich Schiffe und versahen sich mit allem zuihrem Unternehmen Nötigen. Darauf fuhren sie imMärz 1205 nach Morea und bauten sofort nach ihrerLandung ein Schloß, das ihnen als Stützpunkt dienensollte. Den Griechen ward Plünderung angedroht,falls sie sich nicht unterwürfen, und Tod ihnen undihren Familien. Darauf erfolgte der Abschluß vonVerträgen zwischen ihnen und Wilhelm von Champlitte;die Söhne der vornehmen Familien im Besitz von Privi-legien sollten diese im Verhältnis zu ihrem Besitzebehalten; die Huldigungen und militärischen Leistungensollten in gleichem Maße verteilt werden. Der Restsollte den Franken von Rechtswegen zustehen. DieLandbewohner sollten in den gleichen Verhältnissenbleiben, wie unter griechischer Herrschaft. Nach demTode des älteren Bruders von Wilhelm von Champlitteging dieser in seine Heimat zurück, und Gottfried vonVillehardouin trat an die Spitze der Franzosen . Erverteilte das eroberte Land an die Teilnehmer derExpedition. Jeder erhielt Land in dem Verhältnis zudem Vermögen, das er in Truppen, die er führte, an-gelegt hatte.

Dieser kapitalistische Charakter der Eroberungvon Morea durch die Franzosen wurde von dem griechi-Kaiser sogar formell ausgesprochen. Als der Nach-folger Wilhelms von Champlitte und Gottfrieds vonVillehardouin und ein großer Teil seiner Mannen indie Gefangenschaft des griechischen Kaisers geratenwaren, sagte dieser zu ihnen, wenn er jetzt Heer undFlotte nach Morea sende, könne er das Land leichterobern, da es von Truppen entblößt sei.Aber daeure Ahnen beträchtliche Summen verausgabt haben,um Morea zu erobern, welches ihr von ihnen über-kommen habt, so fordere ich dich, Fürst, auf, statt